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Day 06 | Bangka Expedition

Expeditions ins Ungewisse

Heute Morgen waren die Mädels am Pool. Nach dem Mailchen jeden Winkel des Pools einmal ausgeschnorchelt ist, wurde es Zeit für ein kleines Abenteuer. Also hab ich kurzerhand meinen Mädels eine Dschungel-Expedition vorgeschlagen. Auf der gegenüber liegenden Seite der Insel ist ein kleines Dorf. Zumindest war es dort vor 10 Jahren noch. Den Weg vom etwas nördlich gelegeneren Coral Eye Resort haben wir damals gefunden. Aber von hier aus gibt es bestimmt auch eine Möglichkeit ins Dorf zu kommen. Ich habe ein paar der Mitarbeiter gefragt. Die meisten kommen aus dem Fischerdorf, keine 500 Meter den Strand entlang. Seltsamerweise kannten alle das Dorf, aber keiner den Weg. Eine junge Frau meinte, dass es wohl einen Pfad durch den Dschungel gibt, der hinter dem Fischerdorf beginnen müsste. Also Wasserflaschen gepackt, Foto und ein bißchen Insektenschutz drauf – los geht’s. Mit Begeisterung im Gesicht schreite ich enthusiastisch auf meine Mädchen zu und erzähle begeistert von meinem tollen Plan.
Eins springt voll drauf an, das andere springt voll ab!

Maila berichtet

Jetzt erzählt euch Maila, was wir auf unserer Abenteuer-Expedition so erlebt haben:

„Papa geht barfuss und ich in Schlappis, weil am Strand manchmal Scherben liegen. Doof, weil die Menschen da Müll hinwerfen und auch das Meer treibt den Müll und die Scherben an den Strand. Wir laufen weiter am Strand entlang bis wir beim Fischerdorf vorbeikommen und viele bellende Hunde uns verfolgen. Wir klettern über eine kleine Mauer ins das Fischerdorf und laufen Richtung Dschungel. Schließlich kommen wir an einem Haus vorbei, vor dem ein alter Mann sitzt. Papa fragt ihn, wo es zu dem Dorf geht. Er zeigt mit dem Zeigefinger hinter sein Haus. Und da ist tatsächlich ein kleiner rumpeliger Weg.“

„Papa und ich folgen dem Weg in den Dschungel. Endlich wird es ein bißchen kühler. Wir hören schon bald zwei Bäume über uns knacksen, die ineinander verkreuzt waren. Mama hat uns davor extra noch gewarnt, weil die letzten Tage viel Wind war. Deshalb sind wir schnell zusammen durchgerannt. Der Weg war steil und ging den Berg hoch. Rechts und links vom Weg war überall Bambus, der im Wind gewackelt und gequitscht hat. Es ging die ganze Zeit sehr steil den Berg hoch. Und es gab ein paar Moskitos, aber wir sind nie stehengeblieben, weil sie uns sonst stechen.“

Maila hat jetzt keine Lust mehr zu berichten…

So, jetzt hat Maila keine Lust mehr zu erzählen und will lieber in den Pool… also erzähle ich jetzt weiter. Die ersten 10-15 Minuten ging es steil bergauf, rechts und links sehr dichtes Dschungelgestrüpp. Dann plötzlich eine kleine Lichtung aus dem Nichts. Der Hauptfriedhof Bangkas. Glaub ich. Es sind erst zwei gestorben. Die sehen hier auch alle so gesund aus. Essen ja auch nur Reis und Fisch. Also die müssten dann alle so 400 Jahre alt sein.

Jagdinstinkte

Da wir uns aufgrund der Gewichtsreduktion dazu entschlossen haben, kein Proviant mitzunehmen, waren wir auf unsere Jagdinstinkte angewiesen. Maila erspähte auf dem Berg einen sehr großen Mangobaum und schickte mich zum Jagen auf den Baum. Um an den Stamm zu kommen, musste ich mich erst mal durch das dichte Gestrüpp kämpfen, was echt schon fies genug war. Dann aber die Enttäuschung! Der erste Ast in unerreichbarer Höhe, etwas vier bis viereinhalb Meter über mir. Keine Chance, das Kind muss verhungern. Doch dann Jagdglück. Blitzschnell schalte ich vom Jäger in den Sammler-Modus und entdecke auf dem Boden eine noch sehr frische Mango. Zurück aus dem Gestrüpp ist Maila tief beeindruckt, dass ich wirklich auf den Baum geklettert bin. Ich kann nicht anders, und lass die heldenhafte Geschicht für die nächste Minute stehen. Dann plagt mich das Gewissen und ich verrate ihr, dass ich die Mango auf dem Boden gefunden habe und auch vorkoste, falls sie nicht mehr gut sein sollte. Armseelig, für ne Minute. Ich weiß. Aber auch ein bißchen lustig, Maila hat nur die Augen verdreht, als ich es ihr verraten habe. Die Mango haben wir zusammen gefuttert und sie war sehr lecker und zuckersüß. Mit frischen Kräften schreiten wir dem Gipfel entgegen und sehen zum ersten Mal die Lagune auf der anderen Seite der Insel! Wir haben’s fast geschafft. Sieht toll aus! Übrigens sieht man auf dem Meer eines der schwimmenden Häuser der hier anzutreffenden See-Nomaden.

Ab jetzt geht es in gleichem Maße steil bergab, was in Flip Flops noch schwieriger ist. Das habe ich so gelernt am Kilimajaro. Man läuft nahe des Äquator prinzipiell mit Flip Flops. Und wenn der Afrikaner damit zum Basis-Camp auf 5000 Meter kommt, dann das Expeditionsteam Eisele auch über den Gunung Bangka! Ein paar Ausrutscher später treffen wir im Dschungel die ersten Dorfbewohner beim Holzhacken. Dann endlich vor uns die Zugbrücke des Dorfes. Hier kommt eigentlich kaum einer lebend rein! Jedes dritte Brett ist entweder morsch oder schon durchgetreten. Wie der Kerl eben mit dem Moped da drüber kam, ist mir ein Rätsel. Zauberkraft. Als verantwortungsvoller Vater schicke ich Maila vor. Die ist leichter. Unter uns, Salzwasserkrokodile. Sag ich zu Maila. Das macht es spannender. Sie verdreht schon wieder die Augen. Das Kind glaubt mir irgendwann nichts mehr.

Wir haben das Dorf gefunden

Als wir beide sicher auf der Seite des Dorfes angekommen sind, bellt uns direkt ein Hund blöd von der Seite an. Ich belle zurück und er scheißt daraufhin direkt auf den schmalen Weg. Der dumme Köter. So begrüßt man also ein ausgelaugtes Expeditionsteam? Wir laufen weiter ins Dorf rein. Es hat sich in den letzten 10 Jahren vieles verändert! Es gibt jetzt einige Häuser aus Stein. Das war damals nicht der Fall. Sogar zwei große Gebäude, eine Kirche und vermutlich ein Regierungsgebäude. Außerdem wird das gesamte Dorf von einer riesigen Atenne überragt. Tja, ich habe hier mit meiner lokalen SIM am Arsch der Welt LTE. Mir wird wieder bewusst, dass wir in dieser Hinsicht in Deutschland echt eine Bananen-Republik sind. Auf dem Weg zum Flughafen Frankfurt hatte ich mehrere Minuten kein Netz. Zwischen Karlsruhe und Frankfurt!? Also da wo noch so Dörfer wie Heidelberg und Mannheim und so dazwischen liegen. Eigentlich unglaublich…

Zurück zum Dorf! Als erstes entdecken wir haufenweise fette und turmhohe Stereoanlagen! Total geil. So richtig 80er Style. Wenn die alle gleichzeitig laufen, dann brennen die Sicherungen auf der Insel durch. Aber auch akustisch scheinen die Dorfbewohner gut auf die musikalische Runde vorbereitet zu sein.

Nach wenigen Schritten durch das Dorfzentrum sind wir die Attraktion des Monats. Uns laufen quasi irgendwann alle Kinder hinterher und wollen von Maila wissen wie sie heisst. Das haben wir sogar vorher geübt und sie antwortet ungefähr 100x:



„Nama saya Maila. Siapa nama kamu?“

Da die meisten Fussballtrikots tragen, frage ich sie irgendwann nach dem Sportplatz, auf dem Miri und ich auch das letzte Mal waren. Sie bringen uns hin. Das Ding ist professionell geworden. Wo früher einfach Bambuspfosten standen, thront heute ein Tor aus Stahl! Ohne Netz, aber aus Stahl! Die Jungs finden’s geil und holen einen Ball. Flip Flops aus. Maila kriegt das Handy in die Hand zum Filmen, während ich mit den Jungs eine Runde kicke. Keine 5 Minuten später ganz böses Aua auf meiner Fußsohle! Auuuuua! Der Platzwart, der Depp, hat vergessen die Steine vom Acker zu entfernen. Der deutsche Wunderstürmer tritt in einer eleganten und technisch gekonnten Drehbewegung ungebremst auf einen Stein. Es wird Blau. Ich kullere auf dem Boden, schreie verzweifelt „Schiriiiii!“ und winke das Betreuer-Team herbei. Dann fällt mir wieder ein, dass ich in einem Kaff auf Bangka mit den Dorfkinder kicke. Also überspiele ich meine Routine schnell und mach mit schmerzverzerrtem Gesicht weiter. Das ist so drin, das kriege ich nimmer raus.
Nein, so war das nicht. Aber das glauben mir jetzt meine Fussballer eh nicht und denken sich alle: Wahrscheinlich war es genau so – nur noch jämmerlicher…

Wir machen uns auf den Heimweg und so ziemlich alle Kinder wollen noch ein Foto mit uns und abklatschen. Kurz vor der Zugbrücke nimmt mich ein Mädchen – kam von hinten angeschlichen – an die Hand. Sie will unbedingt noch ein Foto mit Maila.


Wir schaffen es erneut ohne durch die Bretter zu brechen über die marode Brücke und wundern uns über den Rückweg, der uns viel länger erscheint, als der Hinweg. Während dessen schicken wir Miri von unserem LTE Netz aus dem dichten Dschungel Nachrichten. Sie machte sich nämlich schon Sorgen, weil wir jetzt schon über 2 Stunden unterwegs sind.

Das war ein wirklich cooler Ausflug! Und ich find’s klasse, dass Maila direkt drauf angesprungen ist, als ich gefragt habe, wer dabei ist! Hier das Siegerfoto als wir wieder aus dem Dschungel gefunden haben.


Marc & Maila

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2 comments

  1. 🍀 gehabt… Was macht die Verletzung?
    Maila ist halt ein super Mädchen. 😎

  2. „… in einer elegenaten und technisch gekonnten Drehbewegung…“ – der eingedrehte Eisele! Ein Klassiker! Wer kennt ihn nicht 🤣