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Day 16 | Misool, Balbullol Lagoon

Yapap Lagune

Unser Homestay liegt wirklich unglaublich schön zwischen zwei Felsformationen, die im Inneren jeweils eine Lagune beherbergen. Auf dem Steg in der Mitte ist eine kleine Liege aus Holz dran gezimmert. Wenn man sich hier reinlegt, könnte man den ganzen Tag damit verbringen das prächtige Farbenspiel zu beobachten, dass sich vor einem abspielt. Mit den unterschiedlichen Tiden und dem sich ändernden Meeresspiegel, leuchten die Farben der Lagune alle 30 Minuten ein klein wenig anders. Und wenn man genug hat vom dem einen Programm, dann dreht man sich einfach um 30° nach rechts und schaut dem zweiten Programm zu. Die nächste Lagune liegt nämlich keine 50 m entfernt auf der anderen Seite. Das hat was meditatives, sofern man lange genug sitzen bleiben kann. Das müssten dann andere beurteilen. Aber auch ohne den tiefsten Grad an Meditationsphase zu erreichen, kann ich das Farbenspiel wunderbar genießen.

Spielzeug-Venedig

Trotzdem ist es natürlich auch so, dass wir hier wie in einem winzigen Miniatur-Venedig auf dem Steg neben unserem Overwater Bungalow ziemlich vereinsamt in dieser Filmkulisse „festsitzen“. Also es lässt sich hier prima festsitzen, ehrlich. Aber jetzt am 5. Tag ist es dann auch Zeit weiter zu ziehen. Ich persönlich fand es genau richtig! Wir haben hier sehr viel in kurzer Zeit sehen können. Die Landschaft ist wirklich spektakulär und nicht zu vergleichen mit der Region im Norden von Raja Ampat.

Mit dem Wetter hatten wir Glück! Es war jetzt doch deutlich besser, als vorhergesagt. Gestern war im Grunde der einzige Tag, an dem es bewölkt war. Und selbst ohne die Sonne sah die Lagune wirklich toll aus. Gestern haben wir beim Sichten der Drohnen Videos noch bemerkt, dass ein großer Adlerrochen neben dem Boot der Italiener mit geschwommen ist. Das hat natürlich keiner bemerkt, weil man ihn vom Boot aus nicht sehen konnte, obwohl er ganz knapp unter der Wasseroberfläche gesegelt ist. Hätten wir hier noch mehr Zeit unter Wasser verbracht, hätten wir bestimmt noch das eine oder andere entdecken können. Andererseits ist es alles über Wasser schon so schön, dass wir jetzt lieber die Ausflüge gemacht haben. Hier wiederum muss ich sagen, dass die Schnorchel-Spots, die wir angesteuert sind wirklich gut waren. Nichtsdestotrotz werden mit großen Wahrscheinlichkeit die Riffe bei unserem nächsten Homestay Nyanse bezüglich Großfisch kaum zu toppen sein. Wir freuen uns sehr darauf.

Balbullol Lagoon

Und deshalb machen wir auch einige Ausflüge über Wasser. Denn die Highlights von Misool finden sich tatsächlich auch, vielleicht sogar vor allem, dort!
Heute geht es also zur Balbullol Lagune. Diese liegt am äußersten östlichen Rand Misools und ist so ziemlich der letzte Zipfel der endlos langen Inselketten. Nach etwa 1,5 Stunden auf dem Boot sind wir da. Natürlich wieder niemand weit und breit zu sehen. Leider ist das Wetter heute nicht ganz so toll. Wolken verdecken die Sonne. Aber das ist fast egal. Die Einfahrt in die Lagune ist schwer beeindruckend! Rechts und links türmen sich die schwarzen Felsen fast senkrecht hoch. Und zwischen drin stehen wie Pylonen einzelne Karststeinfelsen im Weg. Manche sind so stark unterspült, dass man sie durch schwungvolles Anlehnen möglicherweise zum Unfallen bringt. Wir fahren noch tiefer in den Lagunenbereich ein und hören das Echo des Bootmotors. Schließlich legen wir an einem alten Holzsteg an. Vor uns eine wirklich beeindruckend steile Treppe aus Holz. Man muss eigentlich Leiter dazu sagen. Denn arg viel steiler kann man das Ding nicht bauen. Die Pfeiler der Treppenleiter sind ziemlich willenlos an alles drangezimmert, das Halt bieten könnte: Wurzeln, schmale Ästchen, mal ein kantiger Stein hier, mal ein Felsvorsprung da. Aber wie genau es eigentlich verankert ist, kann man nicht erkennen. Ich will es lieber gar nicht wissen. Noch verrückter – die einzelnen Stufen sind einfach in die seitlichen Führungsbretter eingeschlagen oder eingeschoben. Die Fugen dafür sind kaum tiefer als 2-3 Millimeter! Da sollte wirklich niemand mit Übergewicht hoch. Aber das würde physikalisch sowieso nicht gehen bei diesem Winkel nach oben zur nächsten Stufe…


Vorsichtig klettern wir los und bleiben dicht zusammen. Das zieht sich ganz schon und zwischendurch drehe ich mich mal um. Wow! Das können Fotos kaum einfangen, wie verdammt steil das ist und wie weit es runter geht. Sieht Hammer aus!!!
Alle kommen gut oben an. Ein kleiner verwinkelter Felsvorsprung bildet die „Aussichtsplattform“. Sie ist alles andere als platt und Form. Also eher nur Aussicht. Geilo! Wir werden mit einer mega Aussicht belohnt. Die Drohne ausgepackt und auf dem felsigen und schiefen Untergrund aufgebaut. Trotz des bewölkten Wetters sieht das alles echt Hammer aus! Die Farben strahlen auch schon ganz von alleine ohne Sonne. Unser Guide warnt mich noch vor den Weißkopf-Seeadlern. Er habe bereits 3 Drohnen letztes Jahr aus den steilen Klippen retten müssen, nachdem diese von den Jagdvögeln attackiert und zum Absturz gebracht wurden. Wie er diese ultrasteilen Abhänge hochgekommen ist bleibt mir ein Rätsel. Aber der Typ kann wirklich alles, wie ich die letzte Tage beobachten konnte: Schiffsmotoren reparieren, Speerfischen (unser Essen hat er gefangen), Feuer machen, Kokosnüsse holen und knacken, Stelzen-Häuser bauen, Abwasserleitungen verlegen, Stege reparieren, früher war er Fischer, dann Farmer… und einer der Drohnenpiloten, dessen Fluggerät er aus den Klippen gerettet hat, überließ ihm seine kaputte DJI Mavic Air2S. Dasselbe Modell, das ich auch besitze. Jetzt hat er angefangen das auch zu reparieren! Also alles dabei, außer Hirn-Chirurg.

Nachdem wir die ganze Pracht von hier oben aufgesogen haben, geht es an den Abstieg. Wahnsinn! Wie geil ist das!? Miri geht vor, Maila in der Mitte, ich als letztes. Es ist im oberen Teil so steil, dass zusätzlich ein Seil herabhängt, an dem man sich festhalten kann. Ich halte mich mit einer Hand fest – davon MUSS ich ein Foto machen.

Unterwasserwelt

Danach gehen wir noch Schnorcheln. Hier in der Lagune gibt es zahlreiche Unterwasserüberhänge. Die Korallen stehen oben in Gärten dicht an dicht. Die großen hängen an der Kante über und dann kann man 5-6 Meter tief tauchen und in die Höhleneingänge schauen. Auch dort wachsen überall Anemonen und Korallen. Es ist dort unten allerdings schon recht dunkel. Nach ein paar Minuten bin nur noch ich im Wasser. Neben mir einer der Jungs vom Homestay, die uns immer begleiten. Er entdeckt doch tatsächlich eine Schildkröte in etwa 8 Metern Tiefe. Wie hat er die bloß entdeckt? Ich brauche drei Anläufe, bis ich sie sehen kann, obwohl er unter Wasser draufgezeigt hatte. Aber da unten ist alles Blau-Grün und die Schildkröte perfekt im Einheitsbrei getarnt. Außerdem bleibt mir nach dem tiefen Abtauchen nicht mehr so viel Zeit zum Suchen. Beim dritten Versuch sehe ich sie dann aber endlich direkt vor mir. Wie konnte ich die zuvor nur übersehen??

Phöse Tiere am hübschen Strand

Zurück ins Boot, wo alle schon auf mich warten. Wir machen noch einen Zwischenstopp an einem hübschen, versteckten Sandstrand, von denen es hier unzählige gibt. Die Jungs holen uns wieder frische Kokosnüsse von den Palmen. Zur Belohnung wird später ein Seemann von den Girls eingebuddelt. Heute sind die Kokosnüsse komplett gefüllt mit erfrischender Milch. Während die anderen das Kokos-Fruchtfleich futtern, spaziere ich am Strand entlang. Ihr erinnert euch? Ich kann nicht besonders lange still sitzen. Und frische Kokosnüsse essen ist zwar cool, aber nach 10 Minuten langweilig. Also wade ich durch das seichte türkisfarbene Wasser am Sandstrand entlang und sehe haufenweise sehr giftige bis tödliche Tierchen. Super. Ich zähle mal auf: Blue Bottle Jellyfish, schwarze-weiße Krait Wasserschlange und sogar die tödlichste Vertreterin: eine Textil-Kegelschnecke (Conus textile). Davon habe ich schon letztes Jahr gelesen. Jeder kennt die leeren Schneckenhäuser, oder? Unbedingt die Finger davon lassen!! Die Schnecken können mit einer kleinen Harpunenspitze erstaunlich weit aus dem Gehäuse herausschießen. Und ihr Gift ist eines der gefährlichsten im gesamten Tierreich. Es führt erst zu Taubheitsgefühl, dann zu Lähmungen und schließlich zum Herz-Kreislauf-Stillstand. Manche Arten sind so giftig, dass sie ans Nervensystem andocken und es innerhalb von Sekunden wirkt. Ich mach also das einzig vernünftige und puhle mit einem Stöckchen in der Schnecke rum, weil ich die Harpune sehen möchte. Dabei beuge ich mich mit dem Kopf nahe über das Schneckenhaus, um das Ganze gut beobachten zu können. Nein. Hab ich natürlich nicht gemacht. Also nicht alles davon…

Small Love Lagoon

Auf dem Rückweg zum Yapap Homestay machen wir noch einmal gegenüber halt. Dort befindet sich versteckt, zwischen den Karststeinriesen, die Small Love Lagoon. Im Prinzip eine kleinere Variante der Love Lagoon von vorgestern. Aber „kleinere“ ist etwas zynisch. Diese hier ist fast noch beeindruckender eingekesselt von riesigen Karststeinbergen, die schier senkrecht aus dem Wasser empor ragen. Egal wie steil, alles ist voll gewachsen mit Gestrüpp, Bäumen und Palmen. Witzigerweise steht eine einsame, ziemlich groß Palme auf dem Karststeinfelsen in der Mitte der Lagune ganz oben in etwa 150 Metern Höhe. Wie zur Hölle kam die da hoch??? Und vor allem beschäftigt mich schon seit Tagen, woher diese ganzen Pflanzen, Bäume und Palmen ihr Wasser herhaben da oben? Geregnet hat es hier schon seit 3 Monaten nicht mehr. Und sonst bliebe, abgesehen vom Salzwasser, lediglich Tau und die Luftfeuchtigkeit. Ich war jetzt zwar nicht im Bio-LK, aber mir kann doch keiner erzählen, dass dieser riesige Dschungel auf alle den Felsen, Hügeln und Inseln allein vom Tau und der Luftfeuchtigkeit wachsen und überleben kann! Wäre dem so, dann müsste die Luftfeuchtigkeit hier unter 0 liegen. Das muss ich mal noch recherchieren.

Aber eigentlich wollte ich ja von der Small Love Lagune erzählen. Sie heißt wohl nur deshalb so, weil die Lagune selbst, also das dunkelblaue, tiefere Wasser, etwas kleiner ist als ihre große Schwester im Süden. Abgesehen von der etwas kleineren Herzform, finde ich diese hier fast noch krasser. Leider ist es immer noch bewölkt und wir bekommen wohl nur einen Vorgeschmack darauf, wie es wohl ausschaut bei Sonnenschein. Ich muss aber sagen, dass es auch schon so echt spektakulär aussieht. Ich wiederhole mich – hier müsste dringend mal ein Blockbuster gedreht werden!

Cooler Ausflug und das Beste, was wir an so einem bewölkten Tag hätten machen können!

Marc und die Freyseles

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