Heute ist der letzte Tag auf Bangka. Morgen wollen wir in Manado übernachten und am frühen Morgen auf eigene Faust irgendwie zum Tangkoko Park kommen. Aber dazu morgen mehr. Heute war ein massiv unspektakulärer Tag. Maila war gefühlt 10 Stunden im Pool und hat mit Miri alles einmal durchgeübt. Inklusive Eisel’schem Überehrgeizfrust. Aber am Ende konnte sie einen Kopfspicker, mit gestreckten Armen zwei Bahnen Trubopaddeln, bis zum tiefsten Punkt des Pools tauchen (und das waren immerhin etwa 2,50 Meter Tiefe) und mit den Kiemen atmen, die ihr vor ein paar Stunden gewachsen sind.
Ganz toll, Marg!
Ich habe aus den gestrigen Fehlern nichts gelernt und habe mich wieder in der brütenden Mittagshitze auf den Weg zum Coral Eye gemacht. Ich wollte nochmal ein paar Fotos schießen. Gleich vorneweg: war ne doofe Idee. Aber da ich alleine rüber gelaufen bin, beschränkten sich die Konsequenzen auf mich alleine.
Ich mache es kurz. Es war heute mega windig, Böen laut Wetterdaten um die 35-40 Knoten, zwei Meter hohe Wellen vor dem Riff und überall Schaumkronen und Weißwasser. Ich hätte es mir denken können, dass es seinen Grund hatte, warum ich niemanden im Wasser sehen konnte. Ich bin in voller Montur, bewaffnet mit meinem Unterwassergehäuse inklusive LED-Panel und einer GoPro an der Hose in die Brandung. Tolle Idee. Ganz tolle Idee, Marc. Der Wasserspiegel war zwar höher als gestern, da hat er aber nicht so wild gewackelt… Manchmal war ich beim Rausschwimmen über eineinhalb Meter über den Korallen und dann – ja da hätte man ebenfalls mal drüber nachdenken können – nur wenige Zentimeter. Aber ich war bereits mehr oder weniger Spielball der Brandung und es blieb die Flucht nach vorne, da lag wenigstens die Hoffnung auf tiefere Regionen. Raus kann ich zur Not noch über den Steg, dachte ich. Der war allerdings ungefähr noch 800 Meter weg. Aber die Strömung zog mich eh saftig in die Richtung. Wenigstens das habe ich vorher bedacht. Auf jeden Fall war die Sicht so derart mies, dass ich manchmal erst einen halben Meter vor einem aufragenden Korallenblock blitzartig ausweichen konnte. Das war auf jeden Fall ein Drahtseilakt für ein, zwei Minuten, bis ich endlich an der Riffkante war. Da wurde es dann aber auch nicht besser, denn hier waren die Wellen so hoch, dass es mir wirklich bei jeder Woge Wasser in den Schnorchel gespült und mir die Luftzufuhr gekappt hat. Schwimmend ging das noch, aber schnorchelnd ist das total unangenehm, weil du nie weißt, wann es das nächste mal zu macht. Der Schnorchelausflug war zu einem Training in wildem Wellengang verkommen. Und jetzt kam das absolut Fieseste!
Ihr kennt das sicher, solltet ihr schon mal über Korallen geschnorchelt sein. Manche von den Dingern verursachen ein ganz böses Brinzeln, wenn man über ihnen schwimmt. Das sind meistens die Feuerkorallen. Die Dinger, die aussehen wie kahle Bäume. Und hier wimmelt es von den Dingern. Das sind die Nesselzellen und Quallenlarven, die durch die starken Wasserbewegungen freigesetzt werden. Das ganze Wasser war voll damit, ein ganzer Nebel von den Scheißviehchern vor, unter und neben mir. Aber vor allem auf mir. Das war so fies, dass ich am Ende beide Hände vors Gesicht halten musste. Eine vor den Mund und eine auf die Stirn. Ich hatte ein Langarm-Wetsuit an, aber nur eine Badeshorts. Die Beine haben gebrannt wie Sau. Aber das ging noch. Viel schlimmer waren die Treffer im Gesicht und am Hals! Mich haben welche an der Lippe erwischt und das habe ich noch am nächsten Tag beim Frühstück gespürt. Und es waren noch bestimmt 600 Meter bis zum Steg!
Gott bin ich froh, dass ich meine Mädels nicht mitgenommen habe!!!!
Ich bin auf direktem Wege zum Steg gepaddelt. Man konnte eh nichts sehen. Ich bin dann irgenwann etwas weiter raus, weil da das Dauerbombardement nicht ganz so heftig war. Dafür hat man da die Wellen in die Fresse bekommen. Ganz toll, Marc. Super Idee. Als ich schließlich entmutigt und fluchend den Steg erreicht habe, bin ich zum krönenden Abschluss noch mitsamt der letzten Welle schön mit den Schienbeinen auf die Steinstufen drauf, die mit diesen drecksscharfkantigen Hütchenmuscheln bewachsen waren. Mit den Flossen und der großen Kamera in der Hand, erschien mir der Schaden am Schienbein erneut vertretbarer als am teuren Unterwassergehäuse. Gott hab ich geflucht. Diese Scheißdrecks-Nesselviehcher. Sollen die blühen und sich vermehren, wenn ich in Deutschland bin. Ich hab verdammt-nochmal ein Luxusresort bezahlt!
Hier ist alles größer
Vielleicht liegt es an der Vernesselung, die meine Synapsen verstört haben oder an der bratenden Sonneneinwirkung, die mir den Rest gegeben hat. In jedem Falle erscheint mir auf dem Rückweg alles größer. Erst sehe ich so einen Knochen eines Tintenfisches. Schulp heißen die Dinger und sind üblicherweise handtellergroß. Manche Exemplare haben wir auch schon gefunden, die die Größe einer ganzen Handfläche hatten. Das Ding hier ist größer als mein brutal hässlicher Hobbitfuss. GRÖßER!
Und ein paar Meter weiter finde ich eine Haushaltsschere für Bastelarbeiten mit Kindern. Den Rest dazu finde ich auch, aber ich erspare euch das Foto dazu. Könnte auch eine Bastelarbeit für Kindern sein.
Und als ob das nicht schon genug für heute wäre, schlage ich mir, angezählt vom Nesselgift, auch noch den Hobbitzeh an einer Riesenmuschelschale an. Das hier ist lediglich eine Rille der Schale. Wie groß muss das Ding bitteschön gewesen sein??
Es war wohl Miris Instinkt oder Shining. Jedenfalls sind Maila und Miri mir am Strand entgegen gelaufen und haben den geschundenen Mann zurück ins sichere Heim begleitet. Ich habe mir übrigens abends beim Essen noch eingebildet, dass ich leichte Kreislauf- und Atemprobleme habe. Aber ich glaub das war eingebildet. Ich hab besser mal nicht gegooglet, ob ein halb ausgewachsener junger Mann von zuviel Nesselarschlochviehchern in Schieflage versetzt werden kann.
Jetzt aber ab ins Bett! Morgen früh sind wir vielleicht mal nicht die letzten beim Frühstück. Ein Boot bringt uns nämlich „schon“ um 8:30 Uhr zurück aufs Festland. Dort wartet ein Fahrer, der uns dann anschließend direkt in den Tangkoko Park fahren wird.
Marc & die Freyseles





2 comments
Erhobener Zeigefinger aus Holland direkt zum lebensmüden Marg!
Bräuchte die Sepiascheibe für meine Schildies