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Day 14 | Ein letztes Mal

Einmal pleite, bitte

Gestern Abend hat uns Besitzerin Nina vor dem Abendessen gefragt, ob wir Lust haben noch einen weiteren Wal-Trip zu machen, da es eine Absage gab. Die Urlaubskasse liegt nur noch tansanisches Falschgeld und ein paar Münzen und eigentlich können und wollen wir uns das gar nicht mehr leisten. Andererseits …
Und so haben wir einfach mal zugesagt, uns angeschaut und beide vermutlich das gleiche gedacht: „Scheiße, die Rechnung morgen wird schweineteuer!“

Nun gut. Jetzt sind wir hier, es ist geil, wer braucht schon das Geld auf dem Konto.

Top Kapitän!

Also sind nochmal zum Abschluss ein allerletztes Mal raus mit dem Boot. Und wirklich viel erwartet haben wir gar nicht mehr, denn wir waren eigentlich schon voll bedient mit tollen und sehr unterschiedlichen Erlebnissen. Und so bewahrheitet sich eine weitere Binsenweisheit: tolle Dinge passieren dann, wenn man sie am wenigsten erwartet.

Heute ist unser Kapitän ein Einheimischer und man merkt ihm sofort seine ganze Erfahrung an! Er sieht die Wale stets lange bevor wir irgendetwas erkennen können auf der endlosen Wasseroberfläche. Und er weiß schon mit den ersten Blows und Pflatschern, um wieviele Tiere und welches Geschlecht es sich handelt.

Die unmögliche Suche nach dem passenden Superlativ

Nach ein paar kurzen Sprüngen ins tiefe Wasser, um einen kurzen Blick auf die vorbeiziehenden Bullen werfen zu können, entdeckte er dann schließlich eine Mama mit einem noch ganz jungen Kälbchen. Die beiden blieben ewig ganz ruhig an Ort und Stelle. Perfekt, für ein großartiges Erlebnis! Und was jetzt kam, hatte nochmal eine ganze neue Dimension! Wir konnten ganze vier Mal die Gruppen tauschen und hatten gefühlt ewig Zeit um in aller Ruhe neben der großen Buckelwal-Mama und ihrem noch ganz jungen Kälbchen zu schwimmen. Die Sicht war hervorragend! Das junge Buckelwal-Kälbchen hatte ungefähr die Größe eines Autos und war noch ganz scheu. Es ist ständig um den riesigen Mama-Körper herumgeschwommen und hat fortwährend Körperkontakt gehalten. Wenn es zum Luft holen an die Oberfläche schwamm, konnten wir den noch ganz strahlend weißen Bauch sehen. Das war furchtbar schwierig zu fotografieren, ohne das Weiß ausbrechen zu lassen. Da die beiden dankbarerweise aber ganz still verharrten, blieb genug Zeit Unterwasser die Belichtung anzupassen. Das Kleine schmuste sogar manchmal mit der Mama Nase an Nase! Das war ein magisches Erlebnis! Wir waren sogar nur zu dritt im Wasser und konnten alles in vollen Zügen genießen! Mir gehen die Superlative aus! Man muss das selbst erlebt haben! Da ist einfach überall um einen herum und in einem drin die Quintessenz von Demut und tiefer Dankbarkeit! Das ist ein so schönes Gefühl und mit nichts zu vergleichen.

Miri und ich haben uns schon nach der zweiten Schwimmrunde im Wasser einen High Five mit breitem Grinsen gegeben. Miri‘s Augen haben heller gestrahlt als die Sonne. Und es kamen noch zwei weitere Runden, bis Mama und Junges davon schwammen.

Es blieb genügend Zeit, um einfach nur zuzuschauen, zu erleben und zu genießen! In einer Runde hab ich nur ein Foto gemacht. Ich bin kurz untergetaucht (was man eigentlich nicht darf). Es war aber nur sehr kurz für dieses eine Foto. Und wir waren noch weit genug entfernt. Und es ist vielleicht das schönste Foto. Weil es einen so schönen Augenblick zwischen Mama und Kälbchen zeigt.

Das war ein mehr als sensationeller Abschluss!! Jetzt, wenn ich so darüber nachdenke, werde ich wehmütig und traurig! Es war unsere zweite Reise hierher und man soll ja eigentlich tolle Reisen nicht wiederholen. Hier gibt es aber so viel zutiefst Berührendes, das es für eine Reise gar nicht ausreicht. Der Verstand kommt kaum mit der Verarbeitung hinterher, wenn du das hier zum ersten Mal volle Breitseite einverleibt bekommst. Für neuen Definition von Reise und Paradis habe ich bislang nichts gesehen, was dem näher kommen könnte! Es war anders, weil wir ja schon wussten was auf uns zukommt. Und obwohl das Überraschungsmoment dieses Mal nicht alles verstärkt hat – oder gerade deshalb – blieb am Ende das nackte Erleben. Und das alleine ist hier schon so tief beeindruckend, dass ich es jetzt nicht beschreiben möchte. Es bleibt Dankbarkeit dafür, dass wir das als Familie gleich zweimal erleben durften! Ich bin so glücklich darüber, dass ich platzen könnte.

Lilly & Maila beim Verabschieden

Marc

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One comment

  1. 💝🐋🍀💝Gute Weiterreise🥰