Nun ist er gekommen, der letzte Tag. Eine Nacht müssen wir noch überbrücken, dann geht unser Flug von diesem paradiesischen Südsee-Atoll zurück zur Hauptinsel Tongatapu. Diese eine Nacht werden wir in einem der drei Homestays, die es hier auf der Insel gibt, verbringen.
Den heutigen Tag haben wir ganz entspannt verbracht – mit Packen, netten Gesprächen mit den neu ankommenden Gästen (wir haben mittlerweile schon den dritten Wechsel erlebt) und ein paar gemütlichen Strandspaziergängen zum Abschied.
Wir haben alle noch einmal lecker zu Mittag gegessen, weil wir nicht so recht wissen, was uns im Homestay erwartet. Unser Flug geht ja erst am Nachmittag. Möglicherweise bekommen wir also nichts mehr zu essen, bis wir am Flughafen eventuell noch Snacks kaufen können. Viel mehr gibt es da nämlich auch nicht. Den Flughafen kennen wir ja vom letzten Jahr schon bestens, nachdem wir dort aufgrund des Erdbebens und des Flugausfalls mehrere Stunden verbracht hatten. Eigentlich ist es nur eine klitzekleine Bude mit einem Holzschreibtisch als Schalter.
Die Kommunikation mit dem Homestay gestaltete sich etwas schwierig. Ich nehme an, dass unser Gastgeber mein Englisch in die Landessprache übersetzt hat und ich seine Antwort dann wieder rückübersetzt bekommen habe. Das Ergebnis war: Unser Gastgeber stand heute Morgen um sieben am Flughafen und dachte, er solle uns dort abholen. Als ich versuchte, dieses Missverständnis aufzuklären, ging er wiederum davon aus, dass wir gar nicht mehr bei ihm übernachten wollen, sondern in der Lodge bleiben. Eigentlich hatte ich ihm mehrfach erklärt, dass wir bis abends um sieben in der Lodge bleiben und erst spät abends bei ihm eintreffen würden.
Am Ende habe ich aufgegeben, der Köchin einfach mein Handy in die Hand gedrückt und sie gebeten, das Missverständnis aufzuklären.
Ein letztes Mal haben wir noch den Sonnenuntergang am Sandy Beach genossen, und als die Gäste vor Ort ihr leckeres Dinner serviert bekamen, wurden wir vom Ehemann der Köchin mit dem Auto abgeholt und zu unserem Homestay gebracht.
Lokale 3 Sterne-Unterkunft
Und da ist es wieder – dieses leicht unterhaltsame Freysele-Abenteuer. Nachdem wir über das Flugfeld gefahren und kurz danach in eine kleine Wohnsiedlung abgebogen sind, kamen wir an unserem heutigen Nachtquartier an. Und es ist: ein Hühnerstall! Kein Witz, ein umgebauter Hühnerstall. Es ist ein bisschen lustig und ein bisschen beängstigend zugleich. Aber – und das muss man wirklich deutlich sagen – es ist sauber und hübsch hergerichtet. Man könnte sagen, unser Gastgeber hat wirklich das Maximum aus dem Hühnerstall herausgeholt. So ein bisschen wie in diesen US-amerikanischen Sendungen, wo sie mit minimaler Zeit und minimalem finanziellen Aufwand versuchen, das oberflächlich Maximale aus einem Haus herauszuholen, um es dann mit maximalem Profit zu verkaufen.


Nur, dass bei diesem Vergleich vermutlich alle Zahlen weit unter irgendeinem relevanten Gewinn blieben.
Und während ich am nächsten Morgen am Strand vor unserem Hühnerstall entlangschlendere, um diese Zeilen zu tippen, kommt ein Flugzeug herein. Das werde ich jetzt filmen und fotografieren. Ich stehe nämlich direkt am Beginn des Flugfelds. Näher werde ich vermutlich nie mehr in meinem Leben an eine Flugzeuglandung herankommen.
Hui, das war lustig. Da hätte ich tatsächlich noch ein paar Meter näher ran gekonnt.
Okay, zurück zu gestern Abend. Wir kommen also an diesem gepimpten Hühnerstall an – und es ist wirklich gar nicht so schlimm, wie es vielleicht klingt. Es gibt Licht, eine Steckdose, um die Ecke eine kleine Hütte, die vermutlich eine Toilette beherbergt, und vor allem einen sehr netten Gastgeber. Zu essen gibt es nichts, auch keine Möglichkeit, irgendwo zu kochen oder sich hinzusetzen – abgesehen davon, dass wir eh nichts dabeihatten. Aber er bot uns sofort an, uns am nächsten Morgen ins Dorf zu fahren, wo wir uns etwas holen könnten. Also alles in allem für eine Nacht ganz in Ordnung. Maila ist eh schon so gut wie eingeschlafen, mir ist es prinzipiell egal, wo ich schlafe, und Miri weiß nach dieser Nacht, ob sie noch einmal mit mir in einem Hühnerstall schlafen möchte.
Und während wir so langsam eindösen und dem Meer lauschen, das keine sechs Meter von unserem Hühnerstall entfernt liegt, grunzt plötzlich ein Schwein. Als ich nachts irgendwann noch einmal auf Toilette musste, stand ein weiteres Schwein direkt neben der Toilettentür. Ich bin mir nicht sicher, ob es dasselbe war. Als ich dann heute Morgen schließlich als Erster aus dem Bett gekrabbelt bin, sind mir vermutlich noch Onkel, Tante und die Cousinen des Schweins begegnet. Hühner gibt es natürlich auch. Die sind aber sauer auf uns, weil ihr ehemailges Heim besetzen.

Ach ja, und dann ist da natürlich noch etwas: Direkt vom Strand hier – der total verlassen und wirklich hübsch ist – befindet sich das „Airport Reef“. Mit der Namensgebung sind sie hier nicht sonderlich kreativ. Das ist mir die Tage zuvor auch schon aufgefallen. Das Airport Reef heißt Airport Reef, weil … ja, ihr könnt es euch denken. Dieses Riff ist jedenfalls bekannt dafür, dass die Buckelwal-Mamas mit ihren Kälbchen hier gern ausruhen. Und so sehe ich hier nicht nur Flugzeuglandungen aus nächster Nähe, sondern auch noch jede Menge Wale.
So, und jetzt hat mein Strandspaziergang – und das Schreiben dieses Beitrags – genauso lange gedauert, wie es braucht, um die abreisenden Fluggäste zu boarden. Ich höre nämlich die Propeller der kleinen Maschine, die gerade wieder zum Rollfeld rollt.
Nun laufe ich aber erst mal zurück, um mich um die Ernährung meiner Familie zu kümmern. Bevor ich meine ehrwürdige Rolle wahrnehmen kann, hat unser Gastgeber bereits Spiegeleier, frische Papaya und ein lokales Knollengemüse zum Frühstück gebracht. Außerdem im Schlepptau: seine dreijährige Nichte. Maila und die Kleine spielen eine Zeit lang miteinander. Schließlich schenkt Maila ihr ein kleines Zeichentablett und ein Malbuch, das wir auf dem Etihad-Flug bekommen haben. Irgendwann sagte dann unser Gastgeber, dass er um 12:00 Uhr einen Termin habe, und dass seine Schwester uns zum Flughafen bringen würde – und fuhr fort. Und so wurden wir unverhofft zu Pateneltern einer Dreijährigen, die gerne Malstifte aufisst.
Marc o Polo

