Mürrisches Wetter

Heute zeigte sich die Insel Rarotonga von ihrer schroffen Seite und erinnert uns daran, dass wir mitten auf dem weiten Pazifik sind. Das habe ich die letzten Tage öfters mal geschrieben. Ich finde es immer noch abgefahren, dass eine Seitenansicht der Erdkugel einfach komplett vom Pazifik eingenommen wird und Blau ist. Das ist einem einfach gar nicht so bewusst, dass auf der anderen Seite alles reinpasst. von Amerika bis Asien. Wahnsinnige 35% der Erdoberfläche nimmt allein der Pazifik ein und damit mehr als alle Landmassen aller Kontinente zusammen.
Gammeln im Strandhaus
Maila hat heute reltiv viel Hörbücher angehört, Miri hat im Kindle gelesen und ich hab ein paar Bilder bearbeitet und die Küche übernommen. Es hat immer mal wieder geregnet, begleitet von starke Windböen, so dass ich auch zunächst keine Lust auf Kiten hatte. Wir haben dann irgendwann Musik zusammen gehört und jeder durfte sich ein Lied wünschen. Am Ende hat sich Maila auf dem Bett ausgetobt zu ordentlichen Rocksongs. So gefällt das dem Papa! Sie wollte zum Abschluss noch „Lila will heim“ hören, weil sie weiß, dass sie um Haaresbreite wegen diesem Song so geheißen hätte, hätte sich nicht die Mama durchgesetzt.
Der Regen wechselt sich hier stets recht zügig mit der Sonne ab, so dass man nie so recht weiß, ob es jetzt endlich besser wird oder nicht. Man fühlt sich hier ein kleinwenig vom Wetter verarscht. Nach ein paar Runden hin und her, haben wir dann einen sehr schönen und großen Regenbogen entdeckt, ganz in Mailas Sinne. Die hat sich tierisch darüber gefreut.
Kakao-Farm
In den letzten Tagen sind wir immer wieder auf der Ringstraße an dem Schild „Chocolate Factory“ vorbeigedüst. Und weil das Wetter heute so bescheiden war, sind wir einfach mal hingefahren. Auf dem Schildchen vor der kleinen Hütte stand „closed“. Im Garten saßen allerdings einige Leute und haben gelacht. Also sind wir mal hin. Und siehe da, es wurden uns direkt Stühle hingestellt, ein Gläschen mit Chili-Schnaps in die Hand gedrückt und wir mussten erzählen, wo wir denn herkommen. Wie sich später herausstellte, ist samstags gar nicht geöffnet und es gibt auch keine Führungen. Dem selfmade Kakao-Bauer war aber scheinbar langweilig und er hätte eh nichts anderes gemacht, als seinen Chili-Schnaps zu trinken. Es verging im Übringen exakt genau so viel Zeit, wie es dauerte diesen Satz zu lesen, bis wir schon das zweite Gläslein Schnaps in der Hand hatten. Und so ging das weiter. Mit der Zeit haben wir auch gecheckt, dass es gar keine offizielle Tour ist. Viel mehr sind die anderen hier auch zufällig reingestolpert. Und während sich die anderen nach unserer Ankunft krampfhaft versuchten aus den Fängen des Kakao-Bauern zu befreien, ist uns das nicht gelungen. Also haben wir – auch nicht ganz unfreiwillig – eine kostenlose Klein-Farmtour bekommen, inkl. der Verköstigung der fertigen, reinen, dunklen Kakaopaste. Das war wirklich gut und interessant, auch wenn der gute Mann schon ordentlich Bohnen in der Krone hatte. Maila hat sich wacker geschlagen und bis zur Verköstigung durchgehalten. Dann war ihr das Gelalle zu doof und sie ist mit Kopfhörer ins Auto gesessen.

Los ging es auf jeden Fall mit einer frischen und reifen Kakao-Frucht. Die hat er mittig aufgeschnitten, um uns die Kirschen mit dem Fruchtfleisch zu zeigen. Das kann man essen und es schmeckt einer Litschi nicht ganz unähnlich. Wenn man die Bohne auch zerkaut, bekommt man einen leicht bitteren Geschmack. Der nächste Schritt ist die Fermentierung. In seinem Fall: alle Bohnen in eine Plastikkiste, Deckel drauf und Chili-Schnaps trinken, bis die Bohne klopft und auch mittrinken will.


Danach wird die fermentierte Bohne getrocknet und handverlesen. Er meinte, dass 6 von 10 Kisten gut werden. Die anderen 4 fermentieren nicht wie gewünscht und bekommen eine Essignote. Aus diesen macht er dann Likör und Schnaps. So langsam fügt sich das Bild zusammen…
Die handverlesenen gut fermentierten und getrockneten Bohnen werden dann sanft geröstet. Er meinte, dass er sie einfach manchmal in der Hitze der Sonne liegen lässt. Gut, warum nicht. Das ist in jedem Fall 100% ökologisch und green. Die unterschiedlichen Stadien durften wir dann noch durchprobieren. Auch hier wird wieder ausgesiebt, wenn die Bohnen bspw. zu wenig Öl enthalten und einfallen. Auch aus diesen wird dann kurzerhand Likör und Schnaps gemacht. Und darauf gleich noch ein kleines Gläschen Chili-Schnaps (die Flasche ist zu diesem Zeitunkt schon halb leer). Ich hätte da eventuell eine bessere Bussines-Idee für ihn – aber gut…


Am Ende kommen dann die guten, fertigen Bohnen in die Mühle und werden so lange gedrückt und gewalzt, bis aus den Bohnensplitter und dem ausgepressten Öl eine zähe dunkelbraune Paste entstanden ist, 100% reine Schokolade! Die haben wir natürlich auch gefuttert. Und vor lauter Probiererei, habe ich vergessen davon ein Foto zu machen. Dafür haben wir alle Schokolade essen dürfen. Die war saulecker, obowhl sie natürlich noch nicht süß ist!
Auf dem Rückweg hat er uns dann noch die verschiedenen Stadien des Kakao-Baumes gezeigt. Die vielen kleinen Setzlinge bleiben ein Jahr lang in den abgeschnittenen Plastikflaschen, ganz so, wie es die Natur vorgesehen hat. Nach ca. zwei Jahren erst, werden die jungen Bäumchen dann auf der Farm im Boden eingesetzt – ohne Plastikflasche. Nach etwa 9 Jahren tragen die Kakao-Bäume das erste mal Früchte. Unserem Kakao-Bauer ist laut eigener Aussage aber eine Sensation gelungen. Angeblich habe ihn heute die frohe Kunde erreicht, dass ein 5-jähriges Bäumchen schon die ersten Früchte trägt! Darauf ein Gläschen Chili-Schnaps und morgen nochmal in Ruhe die Jahre nachzählen. Aber nicht, dass jetzt der Eindruck entsteht, dass ich mich über ihn lustig mache! Wirklich nicht! Der Typ war echt lustig drauf und ich hatte nur kurz Angst um unser Leben, als alle anderen sich mühsam aus dem Staub gemacht hatten und er einige Zeit vor uns mit dem großen Messer rumgefuchtelt hat, bevor er sich dann entschloss die Kakao-Frucht und nicht uns zu spalten.



Wir hatten so eine Kakao-Farm-Besichtigung schon mal in Costa Rica gemacht. Aber da war das Ganze sehr professionell und fast schon industriell. Hier ist eigentlich nur dieser selfmade Kakao-Bauer, der sich vor 10 Jahren überlegt hat, dass er jetzt Kakao-Bauer wird. Er hat sich alles mehr oder weniger selbst angeeignet und greift dabei auf Wissen im Umgang mit den Reifegraden von Banane zurück. Auch einige Prozesse handhabt er anders als man es üblicherweise tun würde. Viel Bauchgefühl, ein Schuss Naivität und ganz viel sympathisches Auf-Gut-Glück ist seine Methode. Die Regierung hat ihm nach eigener Aussage die Aufgabe auferlegt, zu schauen, ob man auf den Cook Islands Kakao Farmen betreiben kann. Unterstützt wird er wohl nicht. Er finanziert sich rein durch den Tourismus. Ich hoffe für ihn, dass er das normal anders handhabt. Er wollte nämlich kein Geld von uns, trotz mehrfacher und teils schon aufdringlicher Nachfragerei unsererseits. Und man konnte auch nichts kaufen! Keine fertige Schokolade, keine abgepackten Bohnen. Also ein richtig guter Geschäftsmann, der Kakao-Bauer. Wir mussten ihn fast schon dazu überreden, dass er uns einfach ein paar Döschen von seiner fertigen Kakaopaste verkauft. Das hat er dann getan. Allerdings hatte er dafür weder Behältnis, noch Label oder sonst was. Irgendwie sympathisch, auch wenn ich diesem Bussines keine allzu große Zukunft prophezeien würde. Es war auf jeden Fall ein sehr lustiger und fast schon abenteuerlicher Ausflug ins „Hinterland“ von Rarotonga. Sehr empfehlenswert!
Marc und die Mädels


