Disconnected
Da seit dem Erdbeben gestern die Internetverbindung ausgefallen ist und nach wie vor nichts geht, können wir auch der Anweisung des Flughafen-Mitarbeiters von gestern nicht Folge leisten. Der meinte nämlich wir sollen unsere Mails checken, weil wir über diesen Weg über unseren Ersatzflug informiert werden sollten. Das geht aber nicht, weil es keine Internetverbindung gibt.
Gerüchteküche: Ein weißes Walbaby!
Hier auf Ha‘apai sagt immer irgendjemand irgendwas. Manchmal stimmt das. Und manchmal stimmt da überhaupt nichts. Erst vor ein paar Tagen ging das Gerücht herum, dass es einen weißen Albino-Wal vor Vava’u gäbe. Das ist eine Insel weiter im Norden. Alle haben behaupteten, sie haben ihn gesehen und da war er dann tatsächlich einen Tag später bei uns in Ha‘apai – 200km weiter im Süden. Bester Beweis dafür, dass manches tatsächlich stimmt und manches so gar nicht stimmen kann. Er war auch tatsächlich vor der Matafonua Lodge. Ein Paar aus Neuseeland, dass wir an unserem letzten Tag dort kennen gelernt haben, hat uns auf dem Flughafen berichtet, dass sie mit dem Kleinen eine Stunde lang geschwommen seien. diese glücklichen Schweine-Ärsche! Das wär’s gewesen! Mit einem weißen Wal schwimmen – das klingt wie mit einem Einhorn tanzen. Später mehr zu dem weißen Wal.
Aber zurück zu den Gerüchten. Einer der Mitarbeiter hat behauptete, man solle einfach direkt morgens um 6:00 Uhr am Schalter stehen. Wobei Schalter eigentlich auch schon ein klein wenig ironisch ist. Es ist ein Holzstuhl, der vorne ein klein wenig verdeckt ist. In jedem Falle haben wir das tatsächlich versucht. Und natürlich nicht geschafft. Denn wir waren zu spät. Wie immer. Und während Mirjam noch gestresst war und mit dem Papa geschimpft hat, weil der versucht hat am frühen Morgen im Dorf nach Internet zu angeln, hat sich herausgestellt, dass wir bereits auf einer Abflugliste um 7:00 Uhr stehen und glücklicherweise diesem Gerüchte gefolgt sind. Prima, Glück gehabt! Denn wie es anders hätte laufen können, sehen wir bei den spanischen Reisegruppen, die nach uns eintreffen und alle ihre Anschluss-Flüge verpassen werden!
Die eine Nacht, die wir in dem Gästehaus verbracht haben, war jetzt nicht unbedingt ein Highlight unseres Urlaubs. Morgens beim Packen habe ich noch eine große Kakerlake an mir vorbei rennen sehen. Das hab ich Mirjam übrigens nicht direkt gesagt. Das wird sie nun in diesem Bericht lesen. War schon ein bisschen grenzwertig.
Zurück zum Wal oder once in a lifetime
Und tatsächlich kommt eine kleine Propellermaschine. Und tatsächlich ist noch Platz für uns Drei. Allerdings sitze ich ganz hinten auf dem Notsitz. Kurz vor dem Einsteigen treffen wir noch Kaylen, mit dem ich vorgestern den Kitespot auf Uoleva geteilt habe. Er erzählte, dass sie während des Erdbebens mit den Walen schwimmen waren und unter Wasser die Druckwellen und das laute Rumpeln gehört hatten. Alle Wale sind wohl unruhig geworden und abgetaucht. Abgefahren. Und jetzt kommt‘s! Als sie auf dem Rückweg waren und schon damit gerechnet hatten, dass es zu keinen weiteren Sichtungen mehr kommen wird, hat doch tatsächlich der weißen Albino-Wal ihren Weg gekreuzt und sie konnten 20 Minuten mit ihm schwimmen. Ich glaube es nicht!!!! Jetzt treffen wir 2 Gruppen unabhängig voneinander am Flughafen und beide konnten mit dem Albino-Walbaby schwimmen…
Wir haben kurz vor dem Boarding noch schnell die Adressen ausgetauscht. Vielleicht schickt er mir das GoPro-Video. Wahnsinn! Once in a lifetime… knapp daneben – first world problems, I know. Einen Tag später erschien ein Artikel in einer neuseeländischen Zeitung über einen weißen Walbullen, der in den achtziger Jahren geboren und einige Male gesichtet wurde. Lange Zeit hielten es viele für ein Gerücht, bis es dann schließlich Beweisfotos gab. Es wird nun vermutet, dass genau jener Bulle sich nun eben fortgepflanzt hat und aufgrund der sehr seltenen Genmutation eben jenes Albino-Gen an das junge Walmädchen weitergeben hat. Sprich vor 40 Jahren gab es einen weißen Wal, und jetzt wieder. Und wir waren doch tatsächlich nur wenige hundert Meter davon entfernt, genau in dem Moment, als das weiße Walbaby zur Welt gekommen ist. Das ist so etwas wie die Nadel im Heuhaufen zu finden und dann greift man genau einen Strohhalm neben die Nadel. Da darf man doch auch mal ein klein wenig traurig sein, oder?
Zahllose Inselchen
Das hier tippe ich auf dem Flug und blicke immer wieder von meinem Notsitz aus auf die zahllosen kleinen Atolle und mit Palmen bewachsenen Mini-Inseln, die aussehen wie kleine Punkte im Blau. Wir fliegen in einer recht geringen Höhe, ich schätze 2500-3000 Meter, und man sieht die Sandstrände und die Korallenriffe rings um jeder dieser kleinen Inselchen. Das sieht Hammer aus!

Am kleinen Domestic Airport angekommen, treffen wir zufälligerweise die Taxifahrerin von unserer Ankunft. Sie hatte gerade Zeit, weil der Flug ihrer Gäste über 2 Stunden Verspätung hat. Und so hat sie uns kurzerhand mit in die Stadt genommen, wo wir uns wieder im Inserlcafé „Friends“ haben absetzen lassen. Dort haben wir unser gesamtes Gepäck und einer Ecke gestapelt und einfach den Tag über gelassen.
Und täglich grüßt das Murmeltier
Und jetzt geht es los mit einem wirklich kuriosen Ding! Wir erleben denselben Tag 3x!! Den ersten 27.August haben wir heute auf Tongatapu während wir in den 28.August reinfliegen. Den zweiten erleben wir morgen Nacht in Auckland bei der Landung. Und den dritten übermorgen nach einem Nachtflug nach Rarotonga! Dieses verwirrende „Zurück in die Zukunft“ hat mich schon bei der Buchung der Flüge und Unterkünfte manch eine Hirnzelle gekostet.
Exportschlager: Deutscher Toaster
Wir mussten ja heute den Tag irgendwie totschlagen und sind von Restaurant zu Café zu Restaurant spaziert. Unter anderem waren wir auch auf dem Markt und in einem kleinen Allerlei-Shop. Dort haben wir doch tatsächlich deutsche Toaster gefunden. Jetzt ist auch klar, was man hier mitten im Pazifik an deutscher Wertarbeit schätzt! Der deutsche Toaster! Wer kennt ihn nicht? Auch der Markt war sehr interessant! Da gab es zum Beispiel nasses Brennholz zu kaufen. Und ich hatte eine schöne aus holzgeschnitzte Wahlflosse gefunden, so circa 15 cm hoch. Die sollte 70 € kosten. Bei diesem Wechselkurs dürfte das nasse Brennholz so bei circa 800 € gelegen haben. Billig ist hier zumindest nicht besonders viel außerdem dem Gelbflossen-Thunfisch, Real-Satire für uns Europäer.




Ozeanien-Konferenz auf Tongatapu
Die ganze Zeit heizen irgendwelche Polizei-Eskorten durch das kleine verschlafene Dörfchen mit irgendwelchen Königen oder Insel-Chefs. Dazwischen Blasmusik und fröhliche Umzüge mit ernstem Hintergrund. Es findet im Moment auf Tongatapu die Ozeanien Konferenz aller Ozeanien-Staaten statt. Hier wird über allerlei diskutiert und beschlossen. Vor allem aber geht es auch um die wirtschaftliche Entwicklung und die Resilienz gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels. Der wird nämlich definitiv hier zuerst seine unausweichliche Zerstörung zeigen. Die meisten Inseln des Königreiches Tonga liegen nur wenige Zentimeter bis Meter über der aktuellen Wasseroberfläche. Und hierbei ist noch nicht mal die Zerstörung durch Zyklone und große Vulkan-Eruptionen miteingerechnet, die es hier die vergangenen Jahre gab. Auch die dadurch verursachten Tsunami-Wellen sind eine der größten Bedrohungen, ganz speziell hier in Tonga. Und die Statistiken und Daten belegen auch eine massive Zunahme der Ereignisse in den letzten zwei Jahrzehnten! Es bleibt zu hoffen, dass es nicht zum Schlimmsten kommt! Die Menschen hier können am wenigsten dafür. Energieversorgung wird hier als Luxus wahrgenommen. Zumindest auf den entlegegenen Inseln kommen die meisten den Großteil des Tages ganz ohne Strom aus. Die Unterkünfte und Guesthouses in denen wir waren waren, betreiben kleine Solaranlagen für die Eigenversorgung.


Marc und die Mädchenbande

