Mieses Wetter

Heute morgen mussten wir schon sehr früh raus, da unser Boot uns schon um 8:15 Uhr zurück zur Hauptinsel Lifuka brachte. Das Wetter war sehr schlecht. Regen, Wind und alles Grau in Grau. Und alles wir schließlich am kleinen Flughafen angekommen sind, wurden wir direkt mit dem Satz begrüßt „all flights cancelled today“!
Und dann hat die Erde gewackelt!
Nach ein paar widersprüchlichen Aussagen meinte dann der Airport Mitarbeiter, dass wir warten sollen bis 11:00 Uhr. Es könnte sein, dass der zweite Flug doch noch kommt.

Während wir hier in dem kleinen Gebäude gewartet haben, bin ich auf dem Sitz eingeschlafen. Und plötzlich reißt mich ein ziemlich lautes Kratzen und tiefes Rumpeln aus dem Schlaf. Alles wackelt für mindestens 10 Sekunden. Ich schnappe Maila und laufe aus dem Gebäude. Miri war auf der Toilette (vielleicht hat auch sie das Beben ausgelöst?). Erst sind wir etwas irritiert und als alle noch aus Verlegenheit am Lachen sind, wackelt es direkt nochmal heftig! Wow! Jetzt erleben wir auch noch ein fettes Erdbeben hier. Wie wir später erfahren ein recht starkes mit der Stärke 6.9 und wir waren direkt im Epizentrum! Das Beben war wohl in großer Tiefe, aber direkt unter Ha‘apai!
Ich blicke öfter mal rüber zum Meer, das man auf dieser kleinen Insel fast von überall aus sieht. Beim letzten schwächeren Beben der Stärke 5.8 kam die Tsunami-Warnung mit dem Eintreffen der Welle erst. Allerdings keine große, so dass niemand zu Schaden kam. Erst jetzt fallen mir die Tsunami-Schilder überall auf. Was die bringen sollen, ist mir nicht ganz klar, da sie direkt zur Küste zeigen?! Sollte dort tatsächlich der höchste Punkt der Insel sein, dann ist er kaum relevant höher als der Rest! Und der Fluchtweg dorthin ist ungefähr der weiteste, den man auf dieser Insel zurücklegen kann: am letzten Ecke hinterm Flughafen an der Küste?! Gut, irgendjemand wird sich hoffentlich was dabei gedacht haben. Ich bin ja kein Tsunami-Experte. Aber ich würde tendenziell vom Wasser weglaufen. Aber wie gesagt, ich bin ja kein Experte.
Wenig später die Gewissheit, dass nun alle Flüge für heute gecancelt wurden. Jetzt galt es erst mal eine Bleibe zu finde.

Kulinarik

Zunächst sind wir im Dorfzentrum beim einzigen lokalen „Restaurant“ gelandet. Es gab aber nur noch eine Portion Lamm, und das vermutlich seit mehreren Wochen schon. Darum sind wir lieber direkt gegenüber in den China-Imbiss, das zweit beliebteste Restaurant (okay, es gibt auch nicht mehr). Leicht zu erkennen und schön am Hafen gelegen, direkt an der Promenade. Dort treffen wir auf alle anderen Gestrandeten, die scheinbar denselben Geheimtipp bekommen haben. Nach dem fast besten Essen der letzte Tage gehen wir wieder zurück zum lokalen Restaurant und trinken den besten Kaffee, den wir je hatten auf dieser Reise – nicht. Dabei lag die Latte nach unseren Erfahrungen auf den Philippinen und dem Instant-Kaffee der letzten 2 Wochen echt schon seeeeehr tief! Ich habe die halbe Kanne in einem unbeobachteten Moment in den Pflanzenkübel neben mir gegossen, während aus den Lautsprechern in einer Höllenlautstärke Cowboy-Songs und extreme Autotune-Südsee-Schnulzen trällerten. Wir hatten im Café einen wunderbaren Ausblick über den gesamten Hafen und den wunderschön gelegenen China-Imbiss. Herrlich! Aber überzeugt euch selbst:


Dach überm Kopf
Nachmittags haben wir dann schließlich auch noch ein kleines und massiv überteuertes Gästehaus gefunden. Eines, das sogar ich grenzwertig fand. Aber gut, momentan sind wir nicht in der Situation Ansprüche stellen zu dürfen. Wir sind erstmal froh, dass wir eine Bleibe für heute Nacht haben.

Ersatzflug gesucht
Jetzt müssen wir irgendwie morgen einen Flug nach Tongatapu bekommen, sonst verpassen wir unsere Flüge nach Auckland und weiter nach Rarotonga. Das wäre ein kleines Desaster – v.a. auch finanziell! Daher werden wir uns einfach gleich in der Früh um 6:00 Uhr auf den Flughafen fahren lassen und unser Glück vor Ort versuchen. Denn per Mail oder gar Telefon erreicht man hier gar nichts! Und am Schalter oder im Office im Dorf wusste auch niemand weiter, zumal nach dem Erdbeben auch das Internet ausgefallen war.
Marc

