Für‘s Protokoll
Das war‘s. Kam ganz plötzlich. Nüchtern: Bunaken – Manado – Singapur: einmal Sushi, duschen und schlafen – Frankfurt – und dann? Ja, ab dann wird unsere Reise wieder abenteuerlich! Denn wir brauchen die Deutsche Bahn, um nach Karlsruhe zu kommen. Wir werden sehen, wie das ausgeht.


Was bleibt? Was kann weg?
Mittlerweile meine Lieblingsrubrik! Fangen wir langweilig an, beim Gepäck. Letztes Jahr habe ich resümiert, dass wir besser mit weniger Gepäck unterwegs gewesen wären. Darum habe ich auch meinen Teil dazu beigetragen und das gesamte Kite-Equipment zuhause gelassen. Und das war – Trommelwirbel – do-oo-oof! War ja klar, zwei Jahre lang kaum bis kein Wind. Aber dieses Jahr bläst er mir zwei Wochen lang meine letzten Haare vom Kopf. Und die Kitetaschen liegen zuhause im Flur. Hab nämlich noch bis zur letzten Sekunde mit mir gerungen. Schade drum. Wird verbucht als Luxusproblem.
Dafür war positiv, dass wir wirklich sehr viel agiler waren an allen Flughäfen, während den Transitstunden und vor allem den vielen Taxi-, Boot- und Fährfahrten. Das ging fix und war wirklich kein Geschleppe. Und egal wie ich reduziere, ich bring immer noch ein bis zwei ungetragenen T-Shirts, Hosen und Socken mit nach Hause. Und egal wie arg die Mädels reduzieren, die müssen immer nach ner Woche waschen. Dieses Jahr haben sie meine Socken geklaut, mehrmals.
Auf dieser Reise waren wir sogar noch ein bißchen häufiger am Weiterziehen als sonst. Das war gar nicht geplant, hat sich dann aber halt so ergeben. Zum einen wegen unseres Luxusintermezzos auf Bangka. Die hatten nämlich nur noch ganz ungeschickt zwischendrin was frei. Und zum anderen wegen der äußerst hohen Frequenz an Fähren, die man nutzen kann, um nach Misool in den äußersten Süden von Raja Ampat zu kommen. Nämlich genau einmal die Woche. Und auch nur dann, wenn das Wetter mitspielt. Dadurch war eigentlich geplant eine ganze Woche auf dem Archipel Misools zu verbringen. Aber nach sehr intensiven und tollen 5 Tagen hatten wir die Möglichkeit mit einem Frachtschiff schon etwas früher wieder zurück nach Sorong zu kommen. Maila und ich wollten unbedingt nochmal in den Norden von Raja Ampat auf die Insel Gam, wo wir letztes Jahr mit Mantas geschwommen sind und die vielleicht schönste Unterwasserwelt überhaupt gesehen haben. Und dadurch haben wir 3 Tage gewonnen, die wir dafür nutzen konnten. Das war eine super Entscheidung, wenn wir den Mantel des Schweigens über die Nacht auf dem Frachter legen.
Daher zum Anteil was kann weg? Miri löscht es bestimmt ganz aus dem Speicher, den Frachter, das ganze Wort. Ich nicht. Am Ende sind das doch auch lustige Geschichten. Wenn die weg müssen, über was lachen wir dann in ein paar Jahren – alt und ergraut?






























Und Maila?
Maila hat wieder viele neue Kontakte geknöpft und möchte Misia zu ihrem Geburtstag einladen. Bestimmt machen wir mal nen Abstecher, wenn wir das nächste Mal an Mailand vorbeikommen! Die Familie von Matteo war sehr nett und eine tolle Reisebegleitung für unsere Zeit auf Raja Ampat. Auch zurück auf Bunaken hat sie sich direkt am ersten Tag zu einer Runde Mensch-ärgere-Dich-nicht mit einem kleineren Mädchen und ihren Papa eingeschmeichelt. Wir sind so stolz auf sie! Es ist krass, wie leicht Maila sich auf neue Situationen einstellt. Sie war nicht ein einziges Mal anstrengend. Die Flüge vergehen wie im Flug. Auf den Fähren war sie die Erste, die sich’s im Bett gemütlich gemacht hat. Und wenn’s im Auto kurvig wurde und Miri schon mit dem Brecherle zu kämpfen hatte, ist Maila einfach eingeschlafen. Zweimal hat sie uns rechtzeitig gesagt, dass es ihr auch ein wenig übel wird. Dann hat sie den Reise-Kaugummi genommen und gut war. Ein perfektes Reisekind hat die Miri mir da gebacken.
Ich spüre, dass sie mir vertraut! Das wird mir immer bewusster. Und es ist ein wirklich tolles Gefühl, um ehrlich zu sein. Als ich mit Badeschlapper bewaffnet den Genozid an hunderten Kakerlaken verübt habe, hat sie mir helfen wollen die Matratze hoch zu halten. Alleine in der Kabine, weil Miri geflohen ist, hat sie schließlich zu mir gesagt: „Papa, ich finde toll, dass du unsere Kabine für uns sauber machst.“
Da hab ich meine Mordwaffe für einen kurzen Moment niedergelegt und sie fest umarmt. Dann hab ich hab ihr gesagt, dass sie jetzt zu Mama muss und auf sie aufpassen. Danach habe ich wieder meinen FlipFlop ergriffen und im Wahn alles was kriecht plattgeklatscht.
Die schönste Unterwasserwelt
Was bleibt noch? Die Erkenntnis, dass auch nach 10 Jahren die Riffe Nord-Sulawesis in gleich grandiosem Zustand sind. Eine spektakuläre Unterwasserwelt, die sicher zu den besten fünf Regionen der Welt zählen dürfte. Es gibt zwar nicht ganz so viel Großfisch hier, dafür sind die Korallengärten und der Fischreichtum sehr beeindruckend! Über Wasser hat sich Bangka leider etwas verändert. Pseudo-Luxus-Ressorts und Kobalt-Minen im Hinterland dämpfen etwas die Euphorie. Aber davon bekommt man an den Stränden und in den Dörfern selbst nichts mit. Man sieht es auf dem Meer, wenn der Frachter die schwarzen Steinberge zweimal am Tag abtransportiert. Und beim Strandspaziergang läuft man halt nicht mehr endlos am Dschungel entlang. Man muss sich damit abfinden, dass einen ab und zu Luxusitaliener aus ihrem Infinitypools zwischen den Palmen hindurch beäugen. Ich finde ja, das kann wieder weg…
Und dann bin ich glücklich und gleichzeitig wehmütig darüber, dass wir nochmal auf Gam in Raja Ampat waren. Es war zu kurz! So gerne wäre ich noch ein paar Tage länger hier gewesen. Es ist einfach ein Stückchen Paradies. Ha‘apai auf Tonga und hier in Gam auf Raja Ampat – das sind meine Lieblingsorte auf der Welt. Wie in dem Musikerklamauk „Spinal Tap“ so schön illustriert:
„This one goes to eleven!“
Nigel Tufnel
Was kostet die Welt
Gerne wäre ich nochmal getaucht oder hätte den Manta Point einfach jeden Tag besucht. Why not? Warum nicht? Was kostet die Welt? Hier: 25 € für die Bootsfahrt zum Manta Point, wenn man das so sieht wie ich. Ein riesiger, jahrzehntealter Manta-Rochen segelt an dir vorbei. Schaut dich an. Dreht eine Runde und schaut einfach nochmal vorbei. Das ist die Welt. Ganz unmittelbar und unkompliziert. Wunderschön, freundlich, neugierig und für einen Moment ganz friedlich. Bei mir, meine Familie. Was kostet die Welt? 25 €.
Am Ende der Welt

Wir sagen immer, dass wir Maila die Welt zeigen wollen. So, wie sie ist. Und nicht nur die Seiten, die man auf Instagram posten möchte. Noch lieber die Seiten, die man lieber niemanden verraten möchte, damit sie noch lange so unberührt bleiben mögen. Was wir ihr nicht mehr zeigen müssen: Menschlichkeit und Unbeschwertheit! Das gibt es überall. Vielleicht sogar noch mehr hier. Am Ende der Welt, wie man sagt. Aber wieso eigentlich „Ende der Welt“. Eben hier findet man oft viel mehr Herzlichkeit, Unbeschwertheit und Freundlichkeit. Das Leben in seiner Schönheit, ohne viel Tam Tam.
Das hat Maila längst bemerkt. Möglicherweise ist in dieser Hinsicht die Beschreibung „das Ende der Welt“ sogar für unsere Heimat sehr viel treffender. Wer weiß?!
Ist wohl wie Vieles eine Frage der Perspektive. Aber um diese Erkenntnis überhaupt zu gewinnen, muss man Reisen.
Die Perspektive kommt nicht zu dir. Dafür musst du dich schon selbst bewegen. Andernfalls bleibt es eindimensional.
„Die Perspektive kommt nicht zu dir. Dafür musst du dich schon selbst bewegen.“
Darf man sich selbst zitieren?
Wir bewegen uns, weiter. Zurück. Zurück nach Bunaken. Es schließt sich ein Kreis.
Und dann waren da plötzlich Pottwale!!!
Und dann waren da plötzlich Pottwale!!!
Auge zu Gehirn
Delfine haben wir gesucht, in der Ferne im blauen Dunst sogar kurz erhaschen können. Gefunden haben wir, wonach wir nicht mal geträumt hätten zu suchen. Zehn Pottwale, sogar eine Mama mit ihrem Kalb. Die Celebessee liegt vor uns, spiegelglatt, wie ein See. So ruhig haben wir das Meer in den letzten dreieinhalb Wochen kein einziges Mal gesehen. Das wirkt fast inszeniert. Und doch sind wir jetzt hier, mitten auf dem offenen Ozean, der wie ein Spiegel vor uns ruht und nur darauf wartet, dass wir drei Vögel nun mit den Pottwalen baden dürfen! Das crazy! Eine Einladung, die man unmöglich ausschlagen kann. Take it, or leave it. Ich habe in diesem Moment keine Ahnung, ob man mit Pottwalen schwimmen kann. Keine Ahnung! Take it, or leave it. Unser Kapitän Bastian meinte, dass wir außergewöhnliches Glück hätten. Und man könnte schon mit ihnen schwimmen. Meinte er. Take it, or leave it. Was bleibt? Die Erinnerung an meinen adrenalin-aufgeschwemmten Körper, der sich von der Fischerbootkante zügig ins Wasser gleiten ließ und mit einem Herzschlag bis unter die Platte auf den Pottwal zugetaucht ist! Dann war er vor mir! Direkt vor mir, auch noch das Pottwal-Baby. Massiv! Es dreht sich verspielt um die eigene Achse, so wie wir das schon von den Buckelwalen kennen. Nur das dieses Baby hier jetzt den Mund aufreißt und mir seine beeindruckenden Zähne zeigt. Und – der schwimmt nach seinem zweifachen Achsel direkt auf mich zu! Kollisionskurs! Ich bin darauf nicht vorbereitet, keine Ahnung ob das jetzt brenzlig werden könnte. Ich rufe meinen Mädels schnell noch hinter mir zu, dass sie Abstand halten und zusammen bleiben sollen. Ich verpasse einen kurzen Moment. Es gibt kein Foto vom offenen Mund. Der Pottwal schwimmt an mir vorbei, sehr nahe, schaut mich an und dreht sich noch verspielt hin und her. Das Erlebnis hat sich auf die Belichtungsplatte hinter meinen Augen gebrannt. Was. Für. Ein. Moment. Ich bin noch völlig aufgeregt. Das alles bleibt! Was sind das bitte für einzigartige Augenblicke?! Ich habe es schon mal gesagt und ich sage es wieder: jeder Mensch sollte einmal in seinem Leben solch eine Erfahrung machen dürfen. Es macht einen so ehrfürchtig vor der Schönheit des Lebens, vor der Perfektion des Natur.
Vor ein paar Tagen noch hat mich Karo gefragt, was dieses Jahr das Highlight war? Und ich wollte noch schreiben, dass auf dieser Reise sich quasi lauter Highlights aneinander gereiht hätten. Und man eigentlich gar nichts hervorheben dürfe. Und dann finden uns die Pottwale am letzten Tag!
Was bleibt also?

Glück
Ich glaube langsam, dass Glück kann einen besser finden, wenn man danach sucht. Man muss eben mithelfen. Es kommt nicht oft von alleine zu dir.
Ich habe viel Glück in meinem Leben gehabt. Dafür bin ich dankbar. Und sollte mein Gedanke stimmen, möchte ich weitersuchen. Immer weiter machen, immer weiter, wie schon der Titan wusste. Und sollte Glück bloßer Zufall sein, so will ich nie daran glauben!
Und sollte Glück bloßer Zufall sein, so will ich nie daran glauben!
Marc und seine Mädels



One comment
Viel Glück euch MMMs!!!