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Day 14 | Misool, Love Lagoon

Das Ei von gestern Abend

Gestern Abend haben wir uns ein Ei gelegt. Es gibt im Süden von Misool in einer der tausenden Karststein-Formationen eine Lagune, welche die Form eines Herzens hat. Und seit es Instagram und Tik Tok gibt, ist das ein Buketlist-Place. Gut, dass er soweit abseits der üblichen Bali-Routen liegt. Wir haben also zugesagt, als die italienische Familie gefragt hat, ob wir uns den Tourpreis teilen wollen. Obwohl hier generell alles zielich günstig ist, sind die Transferkosten doch echt zum Teil happig.
Wir müssen also früh raus – um 7 schon. Ätzend. Für mich okay, aber die beiden Mädels sind Murmeltiere, die man morgens wecken muss. Also mal wieder verknotet zum Frühstück und anschließend auf das Fischerboot mit beachtlich übermotorisierten Außenbordern. Gleich zwei davon. Man gönnt sich ja sonst nix von den vergoldeten Touris. Die Fahrt führt uns durch das Labyrinth aufs offene Meer und wieder zurück ins nächste Labyrinth aus Felsen und Inseln. Hier müsste dringend mal ein Blockbuster gedreht werden! Das sieht echt spektakulär aus. Die Fahrt dauert lange! Sehr lange. Ich schätze 1,5 bis 2 Stunden sind wir unterwegs und werden böse eingenässt vom Salzwasser, dass einem im 3-Sekunden-Takt in die Fresse spritzt. Unangenehm, fast so unangenehm wie der tägliche Reis. Aber schon bei der Einfahrt in den Lagunenbereich deutet sich an, dass das gestern gelegte Ei ein goldenes war.

Die Lagunen ist umgeben von sehr hohen spitzigen und gezackten Felsen, die überall grün bewachsen sind. Selbst an den steilsten Hängen sieht man Palmen, Gebüsch und sonstiges Grün abhängen. Mal unabhängig von der Herzform der Lagune, ist das die Reise bereits wert. Wir legen an einem kleinen Holzsteg an, der an einem witzigen Sandstrand, umgeben von Palmen und Felswänden, mündet. Das sieht alles total scharf aus! Dann gehen abenteuerliche Treppen los. Hingezimmert kreuz und quer über alles, was Halt geben könnte. Den Grund gibt es hier an den scharfkantigen supersteilen Felskanten nicht. Die meisten Treppen sind krumm und schief. Man läuft hoch und fühlt sich schon nach wenigen Stufen besoffen. Das Treppengerüst ist an den Baumstämmen, groß, klein bis winzig, verkeilt. Zum Teil wachsen die Äste einfach zwischen den Bretten hindurch weiter. Aber es hält so einigermaßen. Manche Stufen wackeln heftig, am Geländer sollte man sich eher nicht festhalten. Und es geht steil und lange hinauf. Lange! Und steil! Frau schnauft, die italienische Frau auch. Beide werden mit einem gewissen Abstand leicht bleich auf der Aussichtsplattform ankommen. Die etablierte Abenteuercrew Maila und Papa erklimmen die Plattform als Erstes. Sensationelle Aussicht! Ehrlich! Das ist geiler als Pianyemo letztes Jahr. Und gar nicht so sehr wegen der Herzform, die tatsächlich hübsch ausschaut. Es sind die beeindruckenden hohen Klippen um uns herum. Und vor allem auch der endlose Blick auf den offenen Ozean Richtung Süden. Wir sind am südlichsten Punkt der endlos langen Inselkette. Es gibt nur noch einen weiteren Punkt etwas weiter im Osten, der noch etwas südlicher liegt. Wenn man in die andere Richtung schaut, sieht man alle die unzähligen Inselpünktchen verstreut im Meer. Das ist der Wahnsinn! Wie schön die Welt ist.

Und hatte ich erwähnt, dass außer unseren Nachbarn, einer Kalifornierin und einem Koreaner, moment niemand auf dieser gesamten Inselgruppe ist? Dieser riesige Areal gehört uns quasi aus Sicht eines Reisenden alleine. Hier ist einfach weit und breit niemand. NIEEEEEEEEEEMAAAAAAAAND.

Schnorcheln mit den nicht ganz ungefährlichen Quallen

Wir klettern den Berg wieder hinunter und fahren mit dem Boot um die Ecke. Dort wollten wir schnorcheln. Einer der Jungs vom Homestay wird zum Checken ins Wasser geschickt. So schnell wie er reingehüpft ist, war auch direkt wieder im Boot. War auch lustig. Ich hab nur „Jelly“ gehört – indonesisch ausgesprochen. Dann ist er mit 200 Stundenkilometer wieder ins Boot reingeschossen. Und das obwohl er eigentlich lange Sachen anhatte. Wir sollten diese gelblichen Quallen ernst nehmen…

Wir fahren also nochmal ein paar Minuten weiter. Um ein paar weitere Inselchen herum und halten erneut. Ist vermutlich eh wurscht, wo man hier schnorchelt. Sieht überall gut aus. Er hüpft wieder rein, checkt und gibt grünes Licht. Es habe aber Quallen! Und zwar mehrere! Das Gute ist allerdings, dass man die Dinger echt recht gut und rechtzeitig erkennen kann. Ich mach die Vorhut der Familie und opfere mich. Wir überleben alle, Mutti! Und als ich einer ausweichen musste, hat sie wie eine Diskokugel angefangen in allen Farben zu blinken! Kein Witz! Wie so eine billige LED-Diskokugel. Hab’s auf der GoPro! Weiß nicht, ob ich sie aus Versehen angeschaltet habe. Habe aber das Licht nicht mehr ausgemacht. Wenn das nicht von alleine wieder ausgeht, dürfte ihr Akku bald leer sein.

Aber so richtig Spaß will es nicht machen, wenn man alle 5 Meter einer ausweichen muss. Die die blöden Dinger bleiben ja nicht an Ort und Stelle, sondern taumeln willenlos durch die Gegend. Man weiß nie, ob nicht doch eine von hinten angeschlichen kommt, die man zuvor noch überholt hat. Trotzdem schön! Viele viele und ich meine viele Fische! Viele!

Einsame Strände

Wir haben Hunger, also mit wir meine ich die, aber ich sage wir aus Höflichkeit. Also bringen wir die zu einem hübschen Strand, natürlich einsam und verlassen. Dort gibt es Mittagessen. Aber viel spannender war etwas anderes! Vom Meer aus sah man große Traktorspuren im Sand bis ganz nach hinten an die Felswand im Wald. Drei Traktoren müssten dort geparkt stehen. Aber es handelt sich um einrädrige Traktoren, vermutlich. Sehr seltsam. Wer braucht den auf dieser kleinen Insel drei Einradtraktoren?

Es sind ganz frische Meeresschildkröten-Spuren!! Vermutlich von heute Morgen. Die Schildkröten haben sich den ganzen Sandstrand entlang geschleppt und ganz hinten tiefe Löcher ausgehoben, wo sie ihre Eier abgelegt haben. Unser Kapitän drückt mit seinen Füßen in den Löchern rum und meint schließlich, dass sie hier vergraben liegen und in etwa drei Monaten schlüpfen werden. Ich habe also den Urlaub verlängert und verharre nun stoisch auf dieser Insel, um die Baby-Schildkrötchen beim Schlüpfen zu beobachten.

Nach dem Essen bauen sich die Mädels eine Wippe. Sehr kreativ! Wir chillen alle ein wenig und ich penne schließlich auf unserem kleinen Handtuch ein, nachdem ich von dort meine liebe Frau vertrieben habe. Sie beklagte sich über meinen Humor! Kann man das glauben? Der Mann war so lange witzig, bis die Frau das nicht mehr witzig fand und dem Mann das Strandtuch überließ. Was macht man dann? Ganz klar: schlafen.

Kokosnuss-Insel

Und natürlich darf auch der klassische Zwischenstopp auf einer Kokosnuss-Insel nicht fehlen! Es versteht sich, dass auch hier weit und breit keine Seele zu sehen ist. Die gesamte Fahrt über haben wir nicht mal ein Fischerboot gesehen. Lediglich rund um Yellu, das Miniatur-Spielzeugdorf. Einer der Jungs klettert gekonnt in einer Höllengeschwindigkeit die Palme hoch – Respekt! Er schneidet in schwindelerregender Höhe einige frische Nüsse von der Palme und wir kommen wenig später in den Genuß frischer Kokosmilch und futtern uns durch die verschiedenen Reifegrade der Kokosnüsse. Ich spaziere ein bißchen die Insel entlang – denn ich kann ja nicht still sitzen, wie meine Frau immer sagt. Dabei finde ich Riesenmuscheln, eine ultragiftige Krait-Seeschlange, eine Packung Chips und einen wunderschönen Strand, der um die Ecke liegt. Jo, was soll man sagen. Hier ist es wirklich überall so derart schön, dass man im Überfluss fast schon gleichgültig werden könnte. Die Mädels spielen im kristallklaren und türkisfarbenen Wasser, Miri futtert sich durch die Reifegrade der Kokosnüsse und ich? Ja ich, kann halt offensichtlich wirklich nicht lange still sitzen. Ich forsche weiter und finde noch einen hübschen Strand in der anderen Ecke der Insel.

Hui. Das war schön!

Ja, geilo, würd ich sagen! Die Rückfahrt zieht sich nochmal ein wenig. Maila und ich pennen auf dem schmalen Holzboden des Boots auf einer Schwimmweste ein. Kann gar nicht sagen wie lange es gedauert hat. Unser armer Bootsjunge saß wohl die ganze Zeit mit nacktem Oberkörper hinten am Motor und wurde böse nassgespritzt. In Verbindung mit dem frischen Fahrtwind ist das schon recht knackig. Er hat ganz übel gezittert – am ganzen Körper. Der arme Kerl. Aber er hätte es ja wissen müssen. Dann erst mal unter die warme Dusche *höhö*

Ein wirklich sehr beeindruckender Tag geht zu Ende. Ich glaub es gab Reis – weiß es aber nicht mehr. Wir haben abends noch länger mit dem italienischen Paar geredet und sind dann auch irgendwann totmüde in unser schickes Overwater-Bungalow. So heißt das doch, oder?

Seefahrerfamilie Freyseles

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One comment

  1. Muß nochmal lesen und die super Bilder anschauen