Day 46 | Der vrühe Fogel ging mir schon immer auf den Sack!
Vielen Dank auch French Bee! Was ein Scheißhaufen von Airline. Ja, es ist eine Low Cost Airline und ich habe nicht unbedingt erwartet, dass ich das Surfboard, verpackt in Bierkartonage und wild neongelb zugetaped, kostenlos durch alle Flüge bekomme. Und doch ging es jedes Mal ohne Probleme! Bis heute Morgen. Jede noch so kleine Airline und jedes noch so kleine Flugzeug hat es anstandslos mitgenommen; seit Ha‘apai immerhin 5 Flüge! Auch Air New Zealand, bei denen wir einen digitalen Check-In hatten. Ja, sogar das binäre Ja/Nein-System hat ein Gepäckstück mehr anstandslos angenommen. Ich musste nirgends extra bezahlen. Überall ein Lächeln und rauf aufs Gepäckband. Air Rarotonga hat sogar noch einen Aufkleber mit „fragile“ angebracht. Und dann kamen die Franzosen! Da hat dieses Custom-Made Board von Glen aus Uoleva, Ha‘apai, schon so viel erlebt, häufig die Besitzer gewechselt mit neuen wilden Geschichten und ich konnte weitere schöne Kapitel hinzufügen. Aber jetzt nimmt die Geschichte des Boards ein sehr trauriges Ende. Der französische Mitarbeiter am Schalter heute Morgen um 4:00 Uhr wollte es partout nicht einchecken. Das Ding wiegt 2,5kg, ist 2cm flach und kaum größer als unsere Tasche. Aber er hat das größte Sportgepäck mit 30kg Gewicht und Maßen bis 1,80m angesetzt – Kostenpunkt 160€! 160€!!! Das ist soviel wie der ganze Flug gekostet hat, für ein verpapptes 2,5kg Brettchen. Dumme Sau!
Er hätte es auch als Standardgepäck einbuchen können, das wären dann rund 50€ gewesen, die ich dann vermutlich bezahlt hätte. Aber mit der Ungewissheit, ob nicht auch die Condor auf unserem letzten Flug von San Francisco nach Frankfurt gleich doof ist, war dann das Schicksal des armen Boards besiegelt. Ein bißchen traurig macht mich, dass ich ihm kein neues Leben mehr schenken konnte. Hätte ich das vorher gewusst, dann hätte ich es hier einem Einheimischen geschenkt. So ist die Vita des Boards leider etwas unromantisch am ersten Pfosten des tahitianischen Flughafens, getarnt als Bierkiste, zu Ende gegangen. Wenigstens mit einer schönen Polynesierin im Arm. Aber wer weiß schon? Vielleicht ist dieses Custom-Made Board, das vor über 20 Jahren das Licht der Welt erblickte und so viel erlebt hat, auch ein Glückspilz?
Viel Glück mein Board! Ich wünsche dir einen liebevollen Finder, der dir auch noch ein Leben auf dem Wasser ermöglicht.
Der etwas zu späte vrühe Fogel
Und so tippte ich gegen 4:45 Uhr den Beginn des Textes heute, da ich davon ausging, dass hier und auf dem Neun-Stunden-Flug quer über den Pazifik, nichts erwähnenswertes mehr passieren wird. Um 7:00 geht der Flug, seit 6:00 ist das Boarding im Gange. Es ist jetzt 6:45 Uhr, wir stehen mit dem letzten Schwung an, da läuft ein Flughafen-Polizist mit meinem Board unterm Arm durch die Reihen. Öhm?! Ist das Schicksal? Schimpfe und Strafe, dass ich es einfach stehen gelassen habe? Hab ich eine Bombenwarnung ausgelöst? Ich bin ja gerne optimistischer Realist und sehe die Chance das Board bei einem anderen Mitarbeiter kurz vorm Boarding unter Stress direkt am Gate eventuell doch noch zu akzeptablen Konditionen – oder gar mit ein bißchen Glück kostenlos – mitnehmen zu können.
Also bin ich aus der Schlange raus und dem Polizisten hinterher. Ich konnte ihn aber leider nicht mehr abfangen, bevor er wieder durch eine Sicherheitsschleuse aus dem Gate-Bereich raus war. Ich hab dann einen Kollegen von ihm darauf angesprochen und behauptet, dass ich das Board aus Versehen vergessen habe. Dann hat der den ganzen Sicherheitsapparat verrückt gemacht, die hatten ja nichts mehr zu tun, und eine Mannschaft aus 4, 5 Mitarbeiter und Polizisten hat sich auf die Suche nach dem Kollegen mit dem Board unterm Arm gemacht. Natürlich nicht ohne den Hinweis, dass es in Bierkartons verpackt sei. Dummerweise haben sie in diesem ganzen früh morgendlichen Alarm auch genau den Mitarbeiter angehauen, der mir das Ding für 160€ einbuchen wollte… saudumm gelaufen, denke ich mir. Innerlich habe ich diese „Wetten das…?“ Melodie aus den 80ern gehört, die immer angespielt wurde, wenn ein Kandidat die Wette verloren hat. Aber das Publikum hat mit mir und dem Board sympathisiert und dennoch applaudiert!
Gut, was nun? Der Typ kam, hat den aufgebrachten Polizisten erklärt, dass ich mich heute morgen geweigert hatte den Aufpreis zu bezahlen, die schauen böse zu mir rüber und stellen mich zur Rede. Also habe ich gelogen, dass sich die Palmen biegen. Ich habe heute morgen, ganz verschlafen (nicht wahr), mit quengelndem Kind (nicht wahr) und mit der Frau diskutierend, ob wir uns den Aufpreis leisten können oder ich sonst die Tochter da lassen muss (überraschenderweise auch nicht wahr), das Board vor lauter Verzweiflung vergessen (nicht wahr) und natürlich möchte ich es mitnehmen! Und dass mir die Umstände furchtbar leid tun (tut sie nicht!). Letztlich sind fünf Palmen dieser Lügentirade zum Opfer gefallen.
Recht und links eskortiert von einem Polizisten und einem Mitarbeiter, sind wir dann also zum Gate-Schalter und die Diskussionen gingen von vorne los. Ich dachte mir dann, auch weil es mir mittlerweile ein klein wenig peinlich war (aber nur ein klein wenig, mein Ärger über die Unverschämtheit überwog noch), dass ich jetzt schlecht ein zweites Mal ablehnen kann. Also hoffte ich, dass es hier kurz vor knapp nicht noch teurer wird. Die Boarding-Schlange löste sich schon langsam auf und viel Zeit blieb nicht mehr. Am Schalter saß dann eine andere Mitarbeiterin, die am System die Nachbuchung bearbeitete. Der Arsch von heute Morgen stand zwar dabei, aber laberte nur auf Französisch auf sie ein. Eine Minute später, wie aus Zauberhand, ein günstigerer Preis! Jetzt sollte es nur noch 95€ kosten. Immer noch saftig, aber unter diesen Umstände in einem akzeptablen Bereich. Ich zahle und bedanke mich bei der Mitarbeiterin für ihr schnelles Abwickeln. Dem Polizisten habe ich auch gedankt für seine Mühen. Dem dummen Arsch habe ich nur gesagt, dass mir der Wirbel so kurz vorm Boarding leid tut. Er hat nichts gesagt und tippt vermutlich in diesem Moment einen ähnlichen Text über einen deutschen Arsch in sein Arbeits-Protokoll.
Ich glaube mein Board war einfach noch nicht bereit dazu mich gehen zu lassen. Ich mag es so langsam richtig gerne. Nicht ganz, aber fast als letzte steigen wir ins Flugzeug, während hinten nochmal die Klappe zum Gepäckraum geöffnet wird für mein Board. Die Geschichte wird weitergeschrieben, wie schön!
Ankunft in San Francisco
Der Flug verging wie im Flug. Tatsächlich wahr. Ich habe noch zwei Stunden geschlafen, Miri hat einen Film geschaut und ein, zwei Runden mit Maila UNO gespielt. Und die kleine Südsee-Prinzessin hat 3 Folgen Spirit und My Little Pony schauen dürfen, Memory gespielt und – keine Ahnung was noch. Sie war super lieb und easy, wie immer! An dieser Stelle sei ohne Angeberei erwähnt, wie unfassbar toll sie das alles mitmacht!!! Ein Goldstück!
Marc



