Lagune am Plage des Tipaniers


Für heute haben wir ein Kayak gemietet und sind durch den Channel zur weiteren draußen liegenden zweiten Lagune gepaddelt. Dort ziehen Rochen und Riffhaie ihre Bahnen. Erwischt man einen guten Moment, ist man dort auch wirklich nahezu alleine und kann den echten und wilden Lebensraum der Rochen und Haie erleben. Das waren unsere ersten 15 Minuten. Erwischt man einen schlechten Moment, dann überfahren einen die Ausflugsboote von allen Seiten und kippen die Pauschalterroristen links und rechts über die Reling ins seichte Nass zu den Rifftieren. Dort abgekippt, werden dann Essensreste in die Lagune nachgeschüttet, um die Haie und Rochen anzulocken, damit Madame e Monsieur ihre Selfies mit den Rochen machen können. Zum Teil Backe an Backe mit den bis zu 150cm großen Adlerrochen. Das ist so dumm und respektlos, dass ich einen Strahl kotzen könnte! Wir haben uns also, so weit es ging, an den Rand zum Channel verdrückt und hatten das Glück, dass es wohl dem ein oder anderen Hai und Rochen ähnlich wie uns erging. Und so haben 3 Black Tips immer wieder ihre Bahnen um uns rum gezogen und sind dann wieder elegant in die Tiefe des Channels entglitten. Wow geil! Jetzt schwimmen wir hier auch noch mit Haien – hautnah. Die Haie kamen bis auf etwa 1,5 – 2 Meter an uns rangeschwommen und sind dann parallel vorbeigezogen. Man konnte ihnen auch in die Augen blicken. Darauf war ich nicht vorbereitet und es war total faszinierend. Seltsamerweise hatte ich gar kein komisches Gefühl. Auch nicht, als der große ein paar Mal direkt auf mich zu kam. Dieser war etwas größer und hatte so ca. 2m Länge.
Ein anderer hatte offensichtlich eine alte Verletzung an seiner Rückenflosse. Genau an der Stelle, an der die charakteristische schwarze Spitze hochsteht. Diese war auf halber Höhe gecuttet. Ich vermute stark, dass diese Verletzung von einem der total überflüssigen Jetskis stammt, die hier ständig mit irgendwelchen Halbstarken und ihren französischen Möchtegern-Influencerinnen hinten drauf von rechts nach links durchrasen. Oder sie entstand durch eine Kollision mit einer Schiffsschraube. Die ganzen Ausflugsboote fahren durchaus rücksichtslos in die Lagune rein und raus. Und geben dabei auch nicht sonderlich viel Acht auf die Kayaks. Es ist eine dieser typischen Touri-Hotspots, die so toll und einzigartig sein könnten, würden sich einfach nur alle an ein paar sehr einfache und naheliegenden Regeln halten. Manchmal verliere ich den Glauben!
Geilo, ganz nah an den Black Tip Sharks
Aber genug gemeckert! Zurück zur ersten Viertelstunde. Und die war für mich überraschenderweise großartig!! Als die Lagune noch ruhig und übersichtlich war, sind wir schon nach kurzester Zeit auf die ersten beiden großen Adlerrochen gestoßen, die unter unseren Kayaks durchgetaucht sind. So knapp, dass wir die Paddel aus dem Wasser heben mussten. Maila wurde ganz ungeduldig und wollte unbedingt ins Wasser. Sie war total fruchtlos und ist als Erste mit Schnorchel und Taucherbrille reingehüpft. Da ich schon die ersten Haie 5-6 Meter entfernt kreisen gesehen habe, habe ich Miri gleich hinterher geschickt. Also als Ablenkung, oder so. Ich bin dann zur Boje gepaddelt, habe unsere Kayak festgemacht und bin dann hinher geschnorchelt. Zu Miri und Maila habe ich es gar nicht mehr geschafft. Denn, kaum im Wasser, war ich bereits umzingelt von großen Adlerrochen. Ich wusste gar nicht wohin fotografieren. Und so sahen dann auch die ersten Fotos aus… Wie gesagt, darauf war ich nicht vorbeireitet. Miri und Maila waren etwa 30m entfernt und haben mir ganz aufgeregt gewunken und gerufen. Die beiden hatten sogar schon direkten Kontakt mit einem Rochen, der an Miris Hand geknabbert hat. Wir vermuten, dass die Rochen hier regelmäßig gefüttert werden und daher schon auf die Hände zuschwimmen. Das ist alles nicht besonders gut und wir finden das auch überhaupt nicht toll, wenn die Tiere deshalb so nahe an uns ranschwimmen.




Moorea könnte ein Perle sein…

Die Gewässer vor Moorea fallen sehr schnell, sehr tief ab und dadurch bieten sich auch Lebensräume für Großfisch. Das merkt man an den Kanten des Riffs, an denen die Fische entsprechend auch größer werden. Die Korallengärten sind zwar nicht mehr ganz vital, aber immer noch in einem recht guten Zustand. Wie schon erwähnt, haben wir einen Hai mit einer Rückenflossen-Verletzung gesehen. Dazu kamen einige Rochen, bei denen der Schwanz mit dem Giftstachel fehlten. Auch hier vermuten wir menschliche Gründe. Wir sind uns nicht sicher, aber vermutlich wurden manchen Tieren kurzerhand die Stacheln entfernt, damit beim Selfie mit dem Rochen der Tourist kein Aua abbekommt. Um eines nochmal klarzustellen: Ich finde diese Lagune sonst großartig! Aber wenn für die Touristenattraktion solche Maßnahmen ergriffen wurden, dann ist das zutiefst zu verurteilen! Die potentielle Gefahr ist Teil des Spiels. Wenn der Wal wegschwimmt, dann hat er eben keinen Bock mit uns Menschen zu schwimmen. Wenn die Schildkröte abtaucht, dann hast du eben kein Foto oder musst zu ihr runter. Und wenn der Rochen kein Foto machen will und du aber meinst, dass du ihn festhalten kannst, dann sollte der Rochen dich im Zweifel auch einmal ordentlich in den Hosenboden stechen dürfen. Und wenn das für dich gefährlich wird, dann ist das eben so. Denn man hält keinen Rochen fest, man grapscht nicht nach Walen und man befummelt keine Wasserschlangen. Alles Stories und Tatsachen, die wir alleine auf dieser Reise erfahren haben, zum Teil mit bösem Ende. Und ich habe kein Mitleid mit den Opfern. Das klingt jetzt herzlos. Aber man sollte schon mit Respekt an solche Begegnungen rangehen. Das haben wir auch Maila immer wieder erklärt und vorgelebt. Denn es ist der Lebensraum dieser Tiere. Und es sind wilde Tiere, denen Social Media am Arsch vorbei geht. Und im Zweifel auch dein Leben. Und wenn man das nicht kapiert, dann hat man eben hier am Riff nichts verloren. Ich finde im Nachhinein umso großartiger, wie die Guides das Whale Swimming auf Tonga betrieben haben! Mit absolutem Sachverstand und Respekt vor Natur und Tier! Und deshalb hatten wir eben auch einen Ausflug ohne Wassergang. Und einmal einen ganz großartigen, mit einem verspielten Kalb, das Bock auf uns hatte. Und nur so erlebt man die Faszination und das starke Glücksgefühl, das einem diese wilden und echten Begegnungen im Lebensraum der Tiere bescheren. Wie ich später erfahren habe, gibt es wohl ein paar hundert Meter weiter ein Becken mit zwei Delphinen drin, mit denen man Fotos machen kann. Und da sind wir wieder beim Punkt. Moorea könnte eine kleine Perle sein, ist sie aber nicht. Und zwar genau deshalb. Schade, wirklich schade, denn die Natur hier ist wunderschön!
Der 13. Moralapostel Marc


One comment
Hatte deinen Bericht gestern zusammen mit Ruth gelesen.
Die Bilder heute am Laptop sind super toll anzusehen.
Bin froh, daß ihr so umsichtig handelt.
Wünsche euch eine gute Heimreise
Omannette