Guten Morgen Misool! Sehr cool! Wir wachen mit dem mehrmaligen Ertönen des Schiffshorn auf und krabbeln etwas verknotet aus den kleinen Betten unserer Kabine. Ich wage in der Unterhose einen Blick heraus und sehe lauter kleine Karststeininseln um uns herum. Die Morgendämmerung haben wir schon mal verpasst, aber die Sonne ist noch nicht aufgegangen. Ich schau mich um und sehe nur grün bewachsene steile Hänge an den vielen Inseln, aber keine Spuren von Zivilisation. Dann laufe ich ein paar Meter nach vorne, mittlerweile mit Hose, und sehe vor uns, höchstens noch 20 Meter entfernt, ein Miniatur-Dörfchen aus nem Märklin Bausatz. Sauwitzig. Um eine kleine Insel herum sprießen – wie die Pilze aus dem Boden – zig kleine Stelzenhäuser, wie wir sie von der Gegend hier kennen. In der Mitte eine Mosche-Kuppel, aber wo soll bitte der Hafen Yellu sein? Das hier etwa? Nicht euer Ernst? Hier ist ein kleiner Bretterverschlag. Aber da kann die große Fähre doch nicht anlegen. Grundsätzlich kann diese große Fähre auch nicht weiterfahren, ich sehe ja schon den Korallengrund. Oder sind wir jetzt schon auf Grund gelaufen? Fragen über Fragen. Aber auf einmal wird es lebendig. Von überall her fahren die kleinen Auslegerboote auf uns zu und es wird wild gebrabelt. Die Fähre und ihr Chef meinen es ernst. Die legen hier wirklich an und dieses Spielzeug-Dorf vor uns ist wohl die „Hafenstadt“ Yellu. Das ist ein bißchen witzig. Ich weiß – klingt respektlos. Aber es ist leider trotzdem ein bißchen witzig. Der Kapitän legt wirklich gekonnt und behutsam die Fähre in Millimeterarbeit an den kleinen wackeligen Holzsteg an. Arg viel fester dürfte er eh nicht dagegen stoßen, sonst würde das ganze Dorf wegschwimmen. Die Ersten springen schon rüber, bevor die Fähre überhaupt vertaut war. Und schon wird hektisch entladen und innerhalb kürzester Zeit verkommt der ganze kleine Platz zum frühmorgendlichen Basar. Bevor wir richtig zusammen gepackt haben, begrüßen uns bereits zwei Jungs, die uns zum Yapap Homestay bringen. Okidoki, das läuft ja wie am Schnürchen hier am Ende der Welt.
Witzigerweise haben die hier sogar eine Bank! Man sagte uns, dass es momentan dort kein Geld gibt. Man kann es nur hinbringen. Also so wie bei mir das Finanzamt immer. Wahrscheinlich war die Bank deshalb auch zu. Die Indonesier haben das schneller kapiert als ich.
Unsere Bootscrew kauft auf dem Markt noch ein paar große Säcke mit Kartoffeln, Reis (NEEEEEEEIN!!!!) und Gemüse ein. Wir sind wohl die ersten Gäste seit längerem. Es ist ja aktuell noch off season wegen des starken Windes und den Wellen. Aber hier ist heute ehrlich gesagt alles relativ ruhig. Als wir das Boot helfen zu beladen, geht die Sonne vor uns auf. Schöne Stimmung!
Yapap Homestay
Am Arsch der Welt und dann nochmal um ein paar Ecken weiter. Ist man dann beim Arschlöchle der Welt? Auf jeden Fall da irgendwo in der Nähe sind wir nun gelandet, nach dem uns das kleine Fischerboot durch das endlose Labyrinth aus Inseln, Lagunen und Kanälen manövriert hat. Das ist total schön. Es müssen tausende von winzigen bis größeren Inseln sein, die sich hier mitten im Meer verirrt haben. Am Ende des Horizonts sieht man eine relativ hohe Inselkette, die schätzungsweise 200-400 Meter hohe Kanten in der Silhouette andeutet.

Unser Homestay heisst Yapap und steht ausschließlich auf Stelzen im Meer, am Rande zweier Lagunen. Es gibt keinen festen Grund auf dem gesamten Homestay. Die Häuser wirken solide und sehen total schön aus, wie sie so völlig verloren am Rande des Ozeans stehen. Wir haben nur noch ein paar Karststeine vor uns, bevor der offene Ozean beginnt. Um das Homestay herum liegen Korallengärten und wir können im Grund schnorcheln ohne ins Wasser zu gehen. Am Tag vor unserer Ankunft war eine Delfin-Familie direkt bei den Häusern. Wir haben schon Barakudas, Blasenfische und endlos viele Fischschwärme gesehen. Wenn man über die Stege läuft, wackelt es auch leicht. Überall. Man fühlt sich wie auf nem Schiff. Wir haben nen Balkon mit Südseite, ne Hängematte mit Blick auf den abendlichen Überlebenskampf der Fische, die mehr Futter sind als Jäger. Hier pflascht es regelmäßig, wenn irgendwas irgendwas jagt.
Wir haben Nachbarn!
Außer uns befinden sich momentan lediglich eine handvoll Touristen hier. Auf der Fähre war noch eine Kalifornierin und ein Koreaner. Und in der Kabine direkt neben uns eine italienische Familie, mit der wir uns gestern noch kurz unterhalten hatten. Und es stellt sich heraus, dass die tatsächlich zufälligerweise ins gleich Homestay gehen wie wir. Wir sind nun Nachbarn. Deren Tochter ist so alt wie Maila und die Mädels spielen direkt miteinander. Verstehen tun sie sich nicht, aber Miri und ich sind ja auch schon seit über 20 Jahren zusammen.
Hausriff checken
Da ich ja eh nie zur Ruhe komme, sagt meine Frau, werde ich meiner Rolle gerecht und geh direkt schnorcheln, während die Mädels sich nochmal hinlegen. Ich werde noch vor Quallen und Haien gewarnt und kurz instruiert. Dann tauche ich die eine Hälfte des Riffs ab. Die Sicht ist heute Morgen noch nicht so gut. Gestern gabe es wohl etwas höhere Wellen und viel Wind. Ist alles noch aufgewirbelt. Aber zum Schnorcheln reicht es. Sieht hübsch aus. Aber da wir ja nun seit einigen Tagen schon sehr viel spektakuläre Korallengärten zu sehen bekomme haben, bleibe ich nicht allzu lange drin bei dieser Sicht. Und als ich grad rauswollte, kommen Miri, Maila und auch die andere Familie ins Wasser und wollen auch ne Runde mitspielen. Also eben nochmal das Riff abgeschnorchelt. Wir sehen unterwegs zwei der Quallen, vor denen man uns gewarnt hat. Sie sind Handteller groß und haben einen gelblichen Schleier, aber kurze Tentakel. Man sieht sie auch heute gut und rechtzeitig. Wenn man aufpasst, sollte das kein Problem sein. Wir gehen hier eh prinzipiell mit Wetsuit oder Lycra ins Wasser. Auf giftige Quallen haben wir hier am Ende der Welt keine Lust.



Real Estate
Auch nach dem Mittagessen (Fisch mit …) gelingt es mir nicht still sitzen zu bleiben, sagt meine Frau. Ihr wiederum gelingt es fantastisch sich hinzulegen. Und so ergänzen wir uns prima. Ich hole mir die aktuellen News vom Homestay Manager. Erfahre, dass er alle Häuser hier alleine gebaut hat. Das verwendete Holz ist eine lokale Art, die ultra resistent gegen Salzwasser und Verwitterung sei. Die meisten der Pfähle auf denen das alles steht seien über 20 Jahre alt. Mkay. Und während wir so plaudern sehe ich am Horizont, Richtung offenes Meer, eine kleine Insel, auf der ein Sandstrand in der Sonne ganz golden strahlt… und unterhalb von mir pflätschert ein kleines Auslegerpaddelboot vor sich hin…
Ich überzeuge ihn davon, dass es eine hervorragende Idee wäre, wenn ich da rüberpaddel. Und da all die Inseln unbewohnt sind, werde ich sie erobern! Er konnte mir nämlich nicht sagen, wem die gehört und ob sie überhaupt jemand gehört. Hier blickt doch eh keiner mehr durch. Wo du hinschaust Inseln. Also ob in dem Spielzeugdorf eine Verwaltung die Inseln kartografiert hätte und Grundbucheinträge vorliegen. Ich erobere das Ding und werde die Insel „Freyseles“ nennen! Also stürme ich voller Begeisterung in unsere Hütte rein und erläutere meinen perfiden Plan. Maila reisst ihre Kopfhörer herunter und ist dabei! Auf meine Tochter kann ich zählen! Was ist mit der Frau! Die schläft ja noch. Hat nichts oder alles nur halb mitbekommen. Ich erzähle es nochmal, noch begeisteter. Sie schläft glaube ich immer noch halb, fängt aber trotzdem an sich aufzuraffen und abenteuerfertig zu machen.
Fünf Minuten später sitzen wir zu dritt im kleinen Boot und ich paddle los! Strömung ist nicht zu stark, sollten wir in ner halben Stunden schaffen. Und jetzt das Geile! Von unserem Homestay aus haben wir nur den kleinen Strand (der oben) gesehen. Auf der abgewandten Seite war der noch viel schönere Strand versteckt. Das kleine blaue Ding rechts am unteren Strand ist unser Paddelboot. Wie geil ist denn das bitte?

Schnell beginnen Maila und Miri mit dem Grundbucheintrag direkt am Strand. Hiermit verkünde ich, Pirat Eisele, dass dieser Grund und Boden von nun an uns gehört und wir taufen diese unsere Insel auf den Namen „Freyseles“! Rente gerettet! Maila ist ganz stolz und spricht mit dem Wasser, ganz im Stile von Vaiana.





Und weil es mir erneut nicht gelingt still zu sitzen, lasse ich die Drohne noch ein bißchen unsere neue Insel erkunden. Wir bleiben ne ganze Weile und paddeln mit der untergehenden Sonne zurück. Schön war’s! Wirklich schön!

Ein erster sehr cooler Tag neigt sich dem Ende entgegen und wir fallen alle drei sehr müde ins Bett. Dummerweise haben wir uns direkt für morgen früh auf 7 Uhr ein Ei gelegt. Es steht ein Ausflug zu „berühmten“ Love Lagoon an. Eine Lagune in Herzform, die man von einem hoch gelegenen Aussichtpunkt anschauen kann. Sieht man wohl in letzter Zeit häufiger mal auf TikTok und Instagram – die Influencer treiben wieder ihre Spielchen. Aber wenn wir schon hier sind, nehmen wir das mit. Angeblich ist’s aber ein Stück von hier am anderen Ende der Inselgruppe im Süden. Eineinhalb Stunden Bootsfahrt warten auf uns. Irgendwie doofe Idee, aber jetzt haben wir im Überschwang halt zugesagt. Wird bestimmt gut. Schlafen können wir ja noch genug in unserem Leben und vor allem danach…
Guds Nächdle
Marc und die Piratenbräute






