Sonntag im Königreich Tonga – das kennen wir schon von letztem Jahr. Da waren wir auf Ha’apai und das ist ja eh nichts los. Dieses Mal konnten wir uns auf der Hauptinsel Tongatapu davon überzeugen, dass es nicht an Ha’apai lag. Hier geht Sonntags wirklich gar nichts! Die drei jungen Australierinnen, die auch hier in unserem Homestay Simon’s Place übernachten, kamen bereits nach 5 Minuten wieder von ihrem morgendlichem Sport zurück. Sie wurden mehrfach von den Kirchengängern ermahnt, dass man sonntags ruht. Hier ist kein Sport erlaubt am Sonntag. Man könnte beim Anblick des durchschnittlichen Tonganers auch vermuten, dass jeden Tag Sonntag ist. Aber das denke ich nur und schreibe es nicht.
Also was tun? Nun, wir ziehen um die Häuser und entdecken die erste impulsante Kirche. Es schallen wieder wunderbare mehrstimmige Gesänge durch die Halle. In traditionellen Bastkleidern trudeln die Dorfbewohner nach und nach ein. Wir gehen weiter und werden ein paar Schritte später von einem Mann eingefangen und zu seiner kleinen Kirche um die Ecke begleitet. Eine ganz kleine Gemeinde feiert in einem normalen Haus Gottesdienst. Dort singen 3 junge Frauen, begleitet und einem Keyboard, eher moderne polynesische Kirchenlieder. Klingt noch besser! Wir hören seitlich des Raumes zu, fallen aber aufgrund unserer Hautfarbe und Kleidung sofort mit Leichtigkeit auf. Und so werden wir ein weiteres Mal einkassiert. Miri wird ziemlich schnell und höflich in den Gottesdienst genötigt. Unsere Namen werden protokolliert und da sitzen wir nun wie falsch bestellt. Die Predigt beginnt, wir werden persönlich mit Namen begrüßt und die anschließende Rede eine Gast-Predigers wird extra für uns auf Englisch übersetzt. Nett – und doof – wir kommen jetzt nämlich aus dieser Nummer nicht mehr raus ohne unhöflich zu sein. Er schreit ziemlich rum. Die Gemeinde war wohl unartig und Maila schaut mich mehrfach irritiert an, als sein Mikrofon schweinelaut im Sekundenabstand ins knallrote Clipping schlägt. Um dem Inhalt Nachdruck zu verleihen, pegelt man hier ein Kirchenmikrofon einfach direkt auf Vollauschlag und Clipping ein.
Irgendwann war Maila so eingeschüchtert, dass sie rauswollte. Dankbarerweise hat sie mich das gefragt und so konnte ich – unter dem Vorwand das Kind muss aufs Klo oder so – raus. Miri blieb aus Höflichkeit noch und ließ sich weiter anmaulen. Maila hat dann draußen direkt gefragt, warum der denn so rumschreien würde. Ich hab ja nichts verstanden, also haben wir nur darüber gerätselt.
Auf alle Fälle ein lustiges und auch irgendwie schönes Erlebnis. Die Menschen haben uns sehr nett und freundlich empfangen. Erschöpft von dem Erlebten schleppen wir uns zurück ins Homestay und schlafen dummerweise auf dem Bett gegen 13:00 Uhr ein. Alle drei. 3h später konnten wir uns wieder berappeln, aber Maila war kaum wach zu bekommen. Wir jetlaggen wohl immer noch. Eine Runde Lotti Karotti und die Welt war wieder in Ordnung. Heute Abend durfte sie noch zwei Folgen Tablet schauen, damit wir etwas später schlafen. So langsam sollten wir in den Rhythmus kommen. An dieser Stelle sei für die Zukunft notiert: Unser bisherige Taktik maximal 8h am Stück zu fliegen, um eben jenen Jetlag zu vermeiden, war schlau. Weniger schlau war es, das diesmal nicht zu tun.
Guts Nächdle, oder wie der Tongaer sagt: Malo e efiafi!


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Schlafen ist gesund
Marc, du Gentleman!