Tonga und das Wetter

Nachdem es jetzt drei Tage wunderschön und absolut windstill war, so dass der Ozean wie ein See vor uns lag, erwartete uns heute Morgen zu unserem vierten Wal-Ausflug erneut starker Wind. Da haben wir gerade leider ein bisschen Pech mit dem Wetter. Allerdings versichern uns hier alle, dass das Wetter absolut keinen Einfluss darauf hat, ob die Wale Lust auf ein gemeinsames Bad haben und beim Boot bleiben oder nicht. Es hängt wohl eher mit den Mondphasen zusammen. Bei Vollmond haben sie scheinbar keinen Bock zum Schwimmen. Vollmond war übrigens vorgestern.
Maila wollte es nochmal wissen

Also ging es gegen 9:00 Uhr aufs Boot und raus Richtung Riff. Dort sind wir aber gar nicht erst angekommen, weil bereits nach 10 Minuten Bootsfahrt die erste Buckelwal-Mama mit Walbaby unseren Weg kreuzten. Wir sind einige Minuten um die beiden herumgeschlichen, aber sie hatten kein Lust mit uns zu schwimmen. Sie sind stets 30-40m weiter getaucht. Und so hat unser Skipper Mahe beschlossen, dass wir die beiden in Ruhe lassen. Es ging weiter in den Kanal zwischen den beiden Inseln Foa und Uoleva. Man wusste gar wo hinschauen. In allen Richtungen sind Flossen und Wasserfontänen hoch gegangen. Aber die meisten waren stetig in Bewegung und die Strömung war sehr stark heute! Wir sind 3x ins Wasser, um von Boot aus zu den Walen zu schwimmen. Aber man kam kaum gegen den Sog an. Beim ersten Mal haben wir Maila noch mitgenommen. Aber bis Miri mit ihr ein paar Sekunden verzögert zu mir im Wasser war, bin ich schon mehr als 15-20 Meter abgetrieben. Keine Chance als Familie zusammen zu bleiben, geschweige denn die Wale zu erreichen. Und so war es für heute leider der letzte Schwimmversuch für Maila. Sichtlich enttäuscht und mitgenommen, saß sie dann ein paar Minuten schmollend auf dem Boot und ist wenig später auch eingeschlafen. Da hat sie mit richtig leid getan. Aber es war vernünftig und hätte keinen Sinn gemacht es nochmal zu versuchen. Wir sind sehr stolz auf sie, dass sie das alles mitmacht und sich zutraut!
Schlechte Sicht, aber…

Auch die Sicht war heute nicht besonders gut, wie sich bei unserem vierten Schwimmversuch gleich zeigen sollte. Vor uns tauchten zwei Buckelwal-Mütter mit je einem Kälbchen auf. Wie sich das anhört… „Kälbchen“… die Dinger wiegen bereits 3 Tonnen und haben die Größe eines Transporters. Auf jeden Fall eine eher seltene Konstellation solche Spielfreindschaften. Und glücklicherweise war eine Mama recht entspannt und ließ uns unglaublich nahe an sich ran! So nahe, dass ich sogar meine sonst eher zurückhaltende und vorsichtige Verlobte zurückhalten musste. Sie hat mich irgendwann überholt und hat erst etwa 2-3 Meter vor der Nasenspitze der Buckelwal-Mama gestoppt! Ich glaube ja bis jetzt noch, dass sie das gar nicht wollte…! Man sah unter Wasser leider nicht sehr gut, da das Meer heute wieder sehr aufgewühlt war mit recht wilden Wellen und starkem Wind. In jedem Fall habe ich irgendwann nach minutenlanger Paddelei über Wasser nach dem Wal geschaut und bin regelrecht erschrocken, dass Mama und Baby an Wasser-Oberfläche bereits direkt vor uns waren! Keine 4 Meter trennten mich noch von der dunkelgrauen Wand! Doch unter Wasser konnte man erst kurz vor dem Einschlag die Schatten sehen. Und wer überholt mich da links? Meine Frau! Paddelt wie verrückt mit der GoPro in der Hand aufs Maul der Mutter zu. Ich hab ihr dann gerufen. Fragt sie mal selbst! Ich glaube ja, dass es ihr wie mir ging und sie unter Wasser einfach gar nicht gesehen hat, wie verdammt nahe sie schon an dem Koloss dran war.
Auf jeden Fall ein mega Erlebnis!! So nahe waren wir einem ausgewachsenen Buckelwal noch nie! Die beiden haben sich dann auf die Seite gedreht und wir hatten die hellweisse, gewellte Unterseite vor uns. Dann sind sie schließlich in der Tiefe verschwunden. Wahnsinn! Damit hält meine Frau den innerfamiliären Rekord für die naheste Buckelwal-Begegnung. Und ich behaupte mal, dass dieser Rekord innerfamiliär unschlagbar bleibt! Wow.
Einzigartig!
Bei unserem letzten Schwimmversuch konnte wir Mama und Kalb an uns vorbei schwimmen sehen. Sie sind leider nicht bei uns geblieben, aber dafür waren wir zwischen den beiden und einem Bullen gelandet, der ca. 20-30 Meter hinter uns einen Schlag nach dem anderen gelassen hat (Breaches). Das laute Aufpflatschen und der riesige Spread sind noch viel beeindruckender, wenn du da mit deinem Kopf auf Wasserhöhe rumdümpelst. Das ist schon ein irres Gefühl! 10 Meter vor dir Mutter und Kalb! Man muss stetig nach der Mutter schauen, dass die dich beim Auftauchen nicht einfach auflädt. Und hinter dir ein rumtobender Bulle, der dich mit seinen 40 Tonnen einmal nach Arkadia schickt, wenn er dich erwischt. Und Miri und ich paddeln staunend, ehrfürchtig, grinsend und mit massig Adrenalin im Kreislauf, mittendrin auf hoher See im Pazifik, zwei winzige Köpflein in diesem aufgewühlten ewigen Ozean und wissen nicht, wohin wir zuerst schauen sollen – das war einfach geil! Richtig einzigartig! Dafür ist das Wort gemacht! Einzigartig!
Auf zu meinem eigenen Kitespot
Nach insgesamt 5 Stunden auf sehr unruhiger See sind wir wieder bei unserem Zelt angekommen. Der Wind war immer noch sehr stark und so haben wir beschlossen, dass wir den 40-minütigen Strandspaziergang zum Kitespot zusammen machen. Maila hat Pferdchen gespielt. Und das Pferdchen Schmetterling war sauschnell. Ich glaube das lag aber auch daran, dass wir ihr eine Sprite versprochen haben. Die gab es dann an der kleinen Lodge, wo ich gestern das Board kaufen konnte. Als wir angekommen sind war auch wieder der Ami und seine Freundin da, die auch beide Kitesurfen. Er fand die Idee großartig noch eine kurze Abendsession zu machen und kam spontan mit rüber in die Lagune. Wir haben die Abkürzung durch den dichten kleinen Urwald genommen. Dort verläuft ein toller Trampelpfad auf die andere Seite der Insel, wo sich auch der Spot befindet.
Miri hat mich gestartet und los ging’s! Das kleine Board macht super Laune. Es dreht sehr schnell und ich konnte spielend einfach springen. Ich war trotz der Low Tide und dem sehr flachen Wasser etwas übermütig und habe mich beim dritten, recht hohen Sprung verdreht und bin ins Wasser gefallen. Es war kaum tiefer als 40cm und überall waren Korallenblöcke und scharfe Kanten, teilweise bis knapp an die Wasseroberfläche. Ich musste mich ganz flach aufs Wasser legen, um wieder ans Board zu kommen. Dabei habe ich auch einmal kurz mit dem Knie eine Koralle gestriffen. Ich hatte aber Glück und es war nur leicht angeschrammt. Die restliche halbe Stunde hab ich mich dann doch lieber zurückgehalten. Bei Low Tide standen an ein paar Stellen auch – kaum sichtbar gegen die Abendsonne – Korallensteine heraus.
Abendessen mit Weltenbummlern
Nicht genug, dass vor unserem Strand seit 2 Tagen eine portugiesische Familie mit ihrem Katamaran parkt, die seit über mehreren Jahren auf Weltreise sind mit ihren beiden Kindern. Übrigens nicht irgendein Portugiese! Wie sich herausstellte, ist er der Weltrekordhalter im Distanz-Kitesurfen! Leider blieb keine Zeit für eine gemeinsame Session, denn dem Portugiesen wurde es nach 3 Tagen am selben Fleck zu langweilig (laut eigener Aussage war er seit 3 Jahren nirgends mehr länger als 3 Tage). Er segelte am Nachmittag weiter Richtung Vava‘u.
Noch fieser wurde es, als zum Abendessen ein Fünfgespann auf der Terrasse auftauchte. Eine ziemlich coole australische Familie mit hippen erwachsenen Kindern und ihrem Kumpel. Die haben sich vor mehr als einem Jahr einfach ein Segelboot gekauft und sind dann seitdem auf Weltumsegelung.
An diesem Abend saßen mit den Volunteers zusammen 12 Menschen auf der Terrasse und nur wir 3 haben noch keinen Katamaran gekauft und sind noch nicht im die Welt gesegelt! Und wir dachten unsere Reise sei abgefahren…
Marc

