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Day 30 | Der letzte Morgen

Reis zum letzten Morgenmahl?

Als wir zu unserer Henkersmahlzeit schreiten, fürchten wir den Reistopf, der uns nach nur 2 Wochen in Angst und Schrecken versetzt! Aber er ist nicht da! Es gibt als Abschiedsgeschenk Pfannenkuchen – echte schwäbische Pfannenkuchen – sagt Maila. Herrlich! Ein versöhnlicher Abschied mit Blick auf das absolut spiegelglatte Meer heute. So dürfte die Fahrt zurück nach Waisai zum Hafen gemütlich werden. Unser Boot hat nämlich keinerlei Spritzwasser-Schutz. Die meisten hier packen die Reisetaschen unter Plastikplanen. Unser Fischer hat sowas nicht. Aber das dürfte heute auch nicht nötig sein. Wir packen und verabschieden uns von unserer kleinen Hütte, in der wir die letzten Tage verbracht haben. Ich bin ein klein wenig wehmütig. Maila auch ein bißchen. Aber die andere Hälfte von ihr freut sich mit Miri auf die Heimat. Miri hat jetzt auch langsam genug von der Holzklasse. Heute Nacht werden wir wieder in einem echten Bett schlafen – ein echtes Bett! Ohne Flöhe, Ratten und nächtliche Hundekonzerte; mit Strom aus echten Steckdosen und einer Dusche, die diese Bezeichnung auch verdient; einer Toilette, auf die man tatsächlich auch sitzen kann! Und wir müssen uns dann wieder ans Spülen nach dem Toilettengang gewöhnen. Am meisten Angst macht mir aber der Blick in den Spiegel, den ich jetzt seit fast 2 Wochen nicht mehr hatte. Den Rasierer habe ich nämlich im Sorong beim eingelagerten Gepäck gelassen.

Fähr-Romantik

Da zum Zeitpunkt unserer Abreise zum Hafen absolute Low Tide ist, müssen wir mit unserem Gepäck rund 50 Meter über Seegras und kleine Korallenbänke waden. Das Langboot liegt in einer Pfütze, die heute morgen noch Lagune war. Wir stochern mit dem Boot noch ein gutes Stück raus, bis es endlich schwimmt. Das hatte direkt eine schöne Abschiedsromantik. Das strahlend blaue Boot sah toll aus auf dem spiegelglatten Ozean.

In Waisai angekommen, überrascht uns ein ziemliches Menschengewusel! So viele Menschen haben wir jetzt zwei Wochen nicht mehr gesehen. Und es ist herrlich chaotisch. Der Ticketschalter ist ganz am anderen Ende des Hafens, nicht beschildert. Das macht die Sache nochmal spannend. Keiner kann wirklich Englisch, aber ich schlage mich durch, kaufe – ganz schwäbisch – die günstigeren „Economi“ Tickets. Die ohne Klimaanlage im oberen Deck der Fähre. Die Frau am Ticketschalter will seltsamerweise meinen Namen wissen. Ich bin irritiert und buchstabiere ihn ihr neun bis sechzehnmal vor. Und vor lauter irritiert-sein komme ich gar nicht zum Protestieren, dass sie mir wider Willen „Superior“ Tickets verkauft hat. Aber zum Preis der günstigen „Economi“. Egal.

Zeitsprung – eine Stunde später: GANZ UND GAR NICHT EGAL!!!!! Wir suchen uns einen Platz auf dem oberen Deck. Es ist alles voll, saueng und die Luft ist ekelhaft. Aber die Hitze – die ist wirklich unerträglich. Wenn die Fähre ablegt und der Fahrtwind den 50 Grad heißen Schweißgestank rausbläst geht es vielleicht. Die Fähre legt aber erst in 45 Minuten ab. Das wird Hölle!
Und einen fetten Dank an die Ticket-Verkäuferin! Wir sitzen falsch, werden nach unten zitiert, befürchten unseren langsamen und qualvollen Hitze-Tod, einen Schweißgestank-Hitze-Tod, und bekommen dafür den Hauptpreis: ein klimatisiertes Abteil mit akzeptablem Geruch. Zwar nur zwei Plätzen, aber die sind bequem. Maila liegt quer über unserem Schoß für die nächsten zwei Stunden – das passt schon.

Luxusleben in Sorong

Nach überstandener Fähr-Überfahrt zurück nach Sorong erwartet uns abermals, wie schon bei unserer Ankunft hier, heftiger Regen. Die Fähre hat noch nicht einmal angelegt, da springen bereits zahlreiche Männer auf das noch manövrierende Schiff auf der Suche nach Kundschaft: Träger, Taxifahrer, Händler. Uns spricht direkt der erste an. Wir sind leicht zu erkennen zwischen all den Einheimischen. Der Preis passt und ich habe gleich noch einen Helfer für die vielen Taschen (kleine Anmerkung: Kitesport und Individualreise passen schlecht zusammen!).

Er bringt uns durch das dichte Gewusel zu seinem Taxibus, der mir so vorkommt, als entstamme er einer alten Märklin-Sammlung. Der sieht aus wie Spielzeug und ist doch viel zu klein?! Ist der für Menschen? Märklin H0? Fährt das? Keine Ahnung was das jetzt ist, wirklich! Man sieht nicht mal raus, weil das Frontfenster auch viel zu klein und tief ist. Ich bin nun wahrlich keine Maschine, aber ich komme kaum auf den Beifahrersitz. Das ist witzig. Noch uriger wird das Ganze, als er uns vor dem Luxus-Hotel in Sorong ablädt, in dem wir heute die Nacht verbingen werden, für 43 €.

Wir haben ein Kingsize-Bed, das wahrlich Kingsize ist und eine heiße Dusche, aus der so viel Wasserdruck kommt, dass es die abgestorbene Kopfhaut auf meiner fies verbrannten Platte wegflext! Das ist ekelhaft und ebenfalls ein bißchen lustig – so lange ich keine Narben davontrage. Maila duscht ebenfalls ausgiebig und fängt unter dem Wasserstrahl zu tanzen an. Halleluja, es werde Wasserstrahl! Die Vorzüge der ersten Welt in Nahaufnahme. Das ist im Übrigen einer der schönen Teilaspekte solcher Reisen. Nicht nur wir Erwachsene, sondern auch die Kleinen lernen zu schätzen, was für uns selbstverständlicher Luxus-Standard geworden ist. Sollte man schon ab und zu mal drüber nachdenken. Man braucht es nicht, man hat es trotzdem gerne.

Zum Abendessen gab es landestypische Spaghetti Bolognese, einen Burger, ein Cola und Pommes. Alles, bloß kein Reis mehr! ich weiß, bißchen Panne, aber das Kind musste mal wieder eine anständige Portion irgendwas essen und wir geben heute Abend mal die dämlichen Europäer. Ihr glaubt gar nicht, wie wenig unangenehm mir die Burger-Bestellung war. So habe ich die Schnauze voll von Reis. Ich frage mich grad, wann ich wieder Sushi-fähig bin. Im September nimmer. Da halte ich es wie Maila, die uns schon seit Tagen mit „Spätzle mit Soß“ in den Ohren liegt …

Marc

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