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Day 28 | Tauchen mit Tarzan Diving

Abreise mit Sonnenaufgang

Schon um 5:30 Uhr klingelt heute unser Wecker und reißt uns im Grunde genommen alle kollektiv aus dem Tiefschlaf. Wir haben extra ein Speedboot auf 6:00 Uhr bestellt, um die nicht so ganz angenehme Überfahrt zu den paar Islands nicht zu wiederholen. Vermutlich wäre es heute überhaupt nicht schlimm gewesen mit dem Longboat, da das Meer vor uns liegt wie ein See. Da wir aber eh spätestens in einer Stunde an der Tauchstation sein müssen, war das Speedboot nötig.
Mit der aufgehenden Sonne und einer wirklich sehr schönen und friedlichen Stimmung düsen wir also mit 1000 PS über das Meer Richtung Gam. Damit haben wir knapp 100-mal mehr PS als die meisten Boote im Umkreis von 100 km. Ich komme mir ein klein wenig dekadent vor. Da wir uns den Preis mit den Israelis teilen, kostet es aber am Ende im Grunde genommen genau gleich viel wie das Longboat, das zwei Stunden braucht (wenn der Motor hält) und dich einmal nass macht.

Wir kommen schließlich pünktlich an, und es geht Schlag auf Schlag los. Nach einem kleinen Begrüßungskaffee bei unserem Dive Master Tom geht es für mich direkt ins Wasser mit zahlreichen Übungen. Miri lernt für ihre Theorieprüfung und Maila ist bestens unterhalten mit den Kindern vor Ort und Geschichten hören.

Open Water Kurs

Nachdem die beiden Israelis mit dem Tauchboot zu einem Riff rausgefahren sind, bin ich der einzige Tauchschüler heute. Und davon sollte ich noch profitieren!
Tom hat wohl schon länger nicht mehr unterrichtet und hat richtig Bock. Er macht normalerweise das Office und freut sich, glaube ich, einfach darüber, dass er mir in gemütlicher Atmosphäre das Tauchen näherbringen kann. Wir machen im Wasser sehr viele Übungen, die wohl nicht Bestandteil des Open-Water-Tauchscheins sind, sondern bereits zu den Advanced-Kursen gehören. Ich stelle mich wohl nicht ganz dämlich an und so fühle ich mich eigentlich mit dem zweiten Tauchgang schon relativ sicher. War schön: bereits auf dem Rücken, kopfüber, er koppelt mir schwebend im Wasser die Flasche ab, die ich dann – sauber tariert, auf der Flasche sitzend – wieder anschnallen muss. Am Ende spannt er mir noch ein Seil zwischen zwei Korallenblöcken, das ich mit Daumen und Zeigefinger umschlossen abtauchen muss, ohne es zu berühren. Sozusagen das Spiel Der heiße Draht unter Wasser. Klappt alles sehr gut und macht tatsächlich sogar ein bisschen Spaß.
Da ich irgendwann etwas übermütig werde, signalisiere ich ihm, dass er mir nicht alle Übungen vorzumachen braucht. Das rächt sich dann vor allem bei der losgelösten Taucherflasche. Ich dachte, ich wüsste das Ding schnell wieder auf den Rücken zu bekommen, nachdem ich alles abgeschnallt hatte. Leider war ich nicht sauber tariert und die Flasche mit meinem Jacket wollte immer wieder an die Oberfläche davonbrausen. Und anstatt einfach kurz Luft aus der Jacke abzulassen, habe ich es mit etwas roher Gewalt versucht und bin einfach mit ein paar Flossenschlägen wieder nach unten gepaddelt. Das Ganze habe ich zwei-, dreimal versucht, bis ich endlich die doofe Jacke wieder anhatte. Dann hab ich natürlich schnell Luft abgelassen, damit ich in Ruhe wieder die Jacke anschnallen kann. Am Ende hat es geklappt, aber es sah vermutlich aus wie eine Mr.-Bean-Comedy-Einlage. Tom hat auf jeden Fall zweimal die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen unter Wasser, und man konnte sehen, wie er lachen musste, als außergewöhnlich viele Blubberblasen aus seinem Regulator heraus schossen.

Spektakulärer erster Tauchgang!

Ich hatte am Nachmittag noch einen weiteren Tauchgang am Hausriff mit einem tatsächlich schon spektakulären Erlebnis! Das können vermutlich auch nicht viele von sich behaupten, dass sie Folgendes bei ihrem ersten Freiwassertauchgang erleben dürfen:
Nachdem wir circa 15 Minuten im Wasser waren, auf einer Tiefe von 12 m, schwimmt auf einmal direkt auf meiner Höhe ein Hai auf mich zu. Es ist ein großer Wobbegong, etwa 1,80 bis 2 Meter lang. Tom, mein Tauchlehrer, schwimmt links von mir, näher am Riff. Ich schwimme einen halben Meter hinter ihm, rechts, im Blauwasser. Der Wobbegong ist noch etwa 5 m vor mir und macht keine Anstalten auszuweichen. Ich schaue Tom an und überlege mir kurz, ob ich ihn mit Gesten fragen kann, ob es hier unter Wasser international gültige Vorfahrtsregeln gibt. So etwas wie: Hai vor Mensch oder Blauwasser vor Riff oder doch rechts vor links?
Bevor ich noch groß drüber nachdenken kann, was ich jetzt wohl tun sollte, ist der Hai nur noch 2 m vor mir und macht weiterhin keine Anstalten auszuweichen. Möglicherweise fragt er sich, ob es Vorfahrtsregeln gibt? Ich denke kurz an dieses Spiel, bei dem der verliert, der als Erstes ausweicht. Und wer mich kennt, weiß, dass ich solche Spiele immer sehr ernst nehme. Also beschließe ich, das Spiel zu gewinnen. Ich bin der Neuling hier und kann vielleicht auf Anfängerglück hoffen. Vielleicht erkennt der Hai auch an meinem Tauchstil, dass ich ein Newbie bin und unterschätzt meine mentalen Fähigkeiten?
Und während ich diesen Blödsinn noch vor mich hindenke, ist der Hai noch einen halben Meter vor mir, beeindruckend groß, und es scheint so, als ob auch er ein Dickkopf wäre und dieses Spiel unbedingt gewinnen wollte. Vielleicht sind diese Haie auch blind? Ehrlich gesagt, kenne ich mich mit den unterschiedlichen Haiarten noch nicht gut genug aus, um das jetzt noch beurteilen zu können, angesichts des drohenden Frontalcrashs. Das Ding ist noch 10 cm vor mir und jetzt muss es wirklich schnell gehen …
Okay … einigen wir uns auf Unentschieden! Ich bin nicht von meinem Kurs abgewichen, der Hai auch nicht. Es kam dennoch nicht zum Frontalcrash, weil ich in letzter Sekunde meinen rechten Arm leicht angehoben habe und der Hai ernsthaft im Abstand von 4 bis 5 cm an meinem Körper vorbei, unter meinem Arm hindurch, geschwommen ist. Ich schaue unter mir durch ihm hinterher. Und was macht der Kerl?
Er legt sich ernsthaft direkt hinter mir und unter mich auf den Boden! Und dort bleibt er, ganz still. Es war so ein kurzes: Respekt, Buddy! Gut gespielt! Das war mal krass!
Erst nach dem Tauchgang erfahre ich, dass diese Haiart zwar beißen kann, aber im Grunde genommen harmlos ist. Was ich aber am spannendsten fand, war die Tatsache, dass ich so überhaupt keine Angst hatte. Es hat sich alles total natürlich angefühlt. Das ist dann schon irgendwie ein Unterschied zum Schnorcheln. Dadurch, dass man weiterhin atmen kann und ganz ruhig an Ort und Stelle verbleiben kann, gehört man irgendwie hier dazu. Man hat so eine Art Bleiberecht. Als Schnorchler fühle ich mich mehr als Eindringling und würde solche Begegnungen nicht provozieren.

Am Ende des Tauchgangs entdecken wir unter einem Stein auch noch einen relativ großen Oktopus. Alles in allem ein wirklich toller und spektakulärer Tauchgang! Jetzt geht es mir ein bisschen so wie Maila in der Lahamy Bay, Marsa Alam, als sie bei ihrem allerersten Mal schnorcheln im Meer eine Riesenschildkröte direkt unter sich sehen konnte.
Ich gehe also einfach mal davon aus, dass nicht alle Tauchgänge dermaßen spektakulär sein werden.

Kleine Wasserratte

Als ich zurückkomme, möchte Maila unbedingt ins Wasser gehen. Unterhalb von unserem Steg schwimmen zahlreiche Fische in allen Größen und Farben. Ein paar Kinder aus dem Dorf kommen sofort hinzu, als Maila im Wasser ihre ersten Schnorchelversuche macht. Am Ende plantschen sieben Kinder in der Lagune. Einige davon können auch noch gar nicht wirklich schwimmen und klammern sich an schwimmende Äste im Wasser. Maila hat sehr viel Spaß mit den Kindern und wir bekommen sie nicht mehr aus dem Wasser. Sie war fast 2 Stunden drin, und die Sonne ging schon unter. Danach sind wir an der Tauchstation noch ziemlich verhockt mit Tom und einigen kalten Bieren. Und die knallen besonders nach dem Tauchen! Das hab ich erst nicht so ganz ernst genommen, bis ich dann nach dem zweiten schon Schlagseite hatte.

Bis wir zurückkommen, um unser Abendessen zu futtern, ist das Licht schon aus. Maila ist todmüde und auf halber Strecke zurück schon eingeschlafen. Morgen wartet ein weiterer anstrengender Tauchtag auf uns. Dieses Mal klappt es vielleicht sogar mit einem gemeinsamen Tauchgang, wenn Maila sich zutraut, alleine mit dem Kapitän auf dem Boot zu bleiben.

Marc

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