Type and press Enter.

Day 24 | Manta Ridge & Suwandarek Riff

Der letzte Tag auf Gam bricht an. Für heute haben wir eine Tour zum Manta Ridge vor Arborek und zum Suwandarek Riff vereinbart, nachdem es gestern ja wegen des Regens nicht geklappt hat. Direkt nach dem Frühstück geht’s auf das gegenüberliegende Riff zwischen Gam und der Insel Arborek. Wir sind das einzige Boot. Unser Guide dreht ein paar Runden am Riff entlang und hält dann recht zielstrebig an einer bestimmten Stelle. Sein Blick verheisst nichts gutes. Er springt aber dennoch mit Maske und Schnorchel rein und schwimmt ein paar Meter vom Boot weg auf die Riffkante zu. Er sieht keine Mantas, winkt uns aber dennoch. Wir hüpfen rein und um uns herum ein riesiger Schwarm Sardinen. Das müssen Tausende Fische sein. Die kreisen einen richtig ein, wenn man hinein schwimmt. Das Riff ist ganz hübsch, aber wir sind ja eigentlich wegen den Mantas hier. Und das Suwandarek Riff verspricht mehr. Also geht nach einer halben Stunde weiter auf die Südseite der Insel Mansuar. Die ist beim Vorbeifahren durchaus beeindruckend mit ihren hohen Bergflanken, die bis an die Wasserkante grün bewachsen sind und steil abfallen. Etwa auf halber Länge der Insel befindet sich unser Ziel.

Suwandarek Reef

Es sind zwei Tauchboote hier und im Grunde genommen ist es das erste Mal, dass wir das Gefühl haben nicht irgendwo alleine zu sein. Da die Taucher aber gleich abtauchen, hat sich auch das für uns Schnorchler schnell wieder erledigt. Also rein ins Wasser und keine zwei Minuten später sehen wir die erste sehr große – und vermutlich schon alte – Meeresschildkröte! Ihr Panzer ist auf dem grün-blau getönten Meeresboden zwischen den Korallenblöcken bestens getarnt. Bei ihrer schieren Größe hilft aber selbst das nicht groß als Tarnung. Sie schläft auf etwa 15 Metern Tiefe und ich brauche mehrere Anläufe, bis ich mit meiner Kamera und dem grossen Dome-Port mit ausreichend Luft unten ankomme. Das ist gar nicht so ohne. Der mit Luft gefüllte Dome-Port zieht wie eine Boje stets nach oben. Man muss da echt gut runterdrücken. Da wären jetzt Gewichte geschickt. Ein paar Meter weiter entdeckt Miri noch eine weitere. Die ist etwas jünger und hat noch einen ganz hübschen und unbeschädigten Panzer. Die Sicht ist toll und Maila freut sich riesig! Miri schnorchelt ein paar Meter weiter und ich übernehme jetzt Maila. Genau im richtigen Moment! Als wir noch damit beschäftigt waren ihre Brille neu zu platzieren, taucht auf einmal fast unbemerkt die große Schildkröte wirklich direkt neben Maila auf, um Luft zu holen! Keine 30cm entfernt atmet sie zweimal tief durch und schaut Maila an! Maila quiekt furchtbar laut vor Freude und ruft immer wieder zu mir: „Papa, mach ein Foto! Mach ein Foto!!“

Papa hat aber die Kamera grad nicht in der Hand, weil ich ihre Brille gereinigt und neu aufgesetzt habe. Und auch ich muss mitlachen – wir waren also beide am Quieken. Bis ich das auf der Wasseroberfläche treibende Kameragehäuse wieder erreicht hatte, hat sich die Meeresschildkröte wieder bereit zum Abtauchen gemacht. Also bin ich schnell ein paar Meter vor sie geschwommen und dann tief abgetaucht, um von unten ein Foto von ihr mit Maili zu machen. Das war jetzt einmal „Wow“ für uns beide!!!

Nach der Aufregung will Maila alles ganz genau der Mama erzählen und schwimmt zu ihr an den Steg zum Pause machen. Auf dem Weg dahin fällt mir auf, wie unfassbar spektakulär die Stegpfeiler unter Wasser mit den buntesten Weichkorallen bewachsen sind. Die sehen aus wie Kopfsalate, Brokkoli und sonstiges buntes Gartengestrüpp. Das muss man gesehen haben! So übertrieben, dass es auf den Fotos fast schon aussieht, als wäre es kitschig KI generiert. Richtig gut!

Ach ja, fast vergessen: fast die gesamte Schnorchelzeit über, hatte Maila einen treuen Begleiter, der ihr nicht von der Seite wich! Das war ein ziemlich großer Rifffisch, so groß wie eine Kuchenplatte, und ungefähr so rund. Irgendwann wollte Maila dann ein Foto mit ihm machen – è voila …

Am Strand futtern wir dann unser Mittagessen. Auf dem Rückweg will unser Guide nochmal am Manta Point vorbeischauen. Wer weiß, vielleicht zeigen sie sich ja am Nachmittag.

Manta Ridge

Als wir uns dem Riff näheren ist es schon recht spät und wir sind im Grund auch schon müde. Wir sind das einzige Boot weit und breit. Unser Guide scheint noch motiviert zu sein, schnappt sich seine Taucherbrille und hüpft ins Wasser. Wir beobachten in ein paar Momente wie er Richtung Unterwasser-Riff schwimmt und dösen so vor uns hin, als er plötzlich winkt! Das kann ich jetzt nicht glauben?! Hat er echt Mantas gefunden? Von oben sieht man nichts. Also alle hektisch die Flossen an, Brillen auf und schnell zu ihm rüber gepaddelt. Krass! Und da ist der nächste Wow-Moment!!! Unter uns, in etwa 12 Metern Tiefe, kreisen zunächst zwei, dann später drei Riesenmantas um einen Korallenblock in Zeitlupe! Das Wasser ist etwas trübe, getränkt in Plankton, das die Riesen mit ihren weiß schimmernden Mäulern einsaugen. Das ist wahnsinnig eindrucksvoll! Nach ein paar Runden schwimmen sie in noch tieferes Gewässer und wir verlieren sie irgendwann im dunklen Blau.

Unser Guide ist hoch motiviert und macht das echt super! Zwei Minuten später hat er zwei weitere Mantas in etwas flacherem Grund entdeckt. Hier kann man runtertauchen. Erst gehe ich nur 3 bis 4 Meter tief, um sie nicht zu vertreiben, während Miri und Maila von oben zuschauen. Aber die interessieren sich gar nicht für mich. Also tauche ich ein paar mal ganz runter, um sie noch besser sehen zu können. Bei dem Licht wird es mit dem Fotografieren etwas schwieriger, aber es sind geniale Momente die Mantas in 2 Metern Abstand auf mich zuschweben zu sehen. Von vorne ist das noch krasser, weil man die riesigen weiße Mäuler, mit den beiden Lippen auf den Seiten sieht. Wenn er an einem vorbeigleitet, wird einem erst bewusst, wie lange auch der Schwanz mit Stachel ist – mindestens 1,5 Meter, vielleicht sogar 2 Meter. Was ein Glück!!! Und ein großes Lob an unseren Local, der den richtigen Riecher hatte! Auch Maila und Miri sind sofort hin und weg!
Zurück auf dem Boot sind wir alle ziemlich durchgeweicht und erschöpft von dem langen Tage im Wasser. Das war genial! Ich habe mir so sehr gewünscht, dass wir einen Manta sehen können und hatte ja schon gestern – mit einer großen Portion Glück – das erste kurze Erlebnis. Aber das heute war nochmal geiler! Und ich freue mich, dass Miri und v.a. Maila gleich sieben Mantas beobachten konnten und sehr begeistert waren! Mit Maila gab es sogar im Wasser noch einen High Five. Dafür, dass eigentlich gar keine Manta-Saison ist, haben wir schon ganz schön viele gesehen. Vielleicht ist das Glück auf unserer Seite? Sowohl mit dem Guide, als auch mit den Mantas! Terima kasih!

Überfahrt auf die Pam Islands

Viel zu spät kommen wir mit einsetzendem Wind am Nyanse Homestay an, wo unser Bootstransfer bereits seit über einer Stunde auf uns wartet. Ich habe allerdings extra noch rechtzeitig geschrieben, dass wir gerne erst gegen 14:30 abgeholt werden wollen. Gut, es ist jetzt 15:15 – aber hier reden ja auch alle von Island-Time…

Da wir vorab keine wirkliche Auskunft bekommen haben, müssen wir uns nun mit dem Longboat begnügen. Lieber wäre uns gewesen, wenn wir für diese größere Überfahrt auf offenem Meer wenigstens eine etwas breitere Schüssel gehabt hätten. Und je länger die Fahrt dauert, desto deutlicher wird die Sache! Wir sind bereits nach 15 Minuten bis auf die Knochen nass. Und ich meine nass! Nicht so ein bisschen, sondern richtig nass! Das Wasser spritzt heftig ins Boot mit jeder Welle, über die wir drüber schanzen. Wir können die Augen nicht mehr aufhalten. Maila liegt auf unserem Schoß, verdeckt mit einem Tuch. Bei der Welle hüpft das Boot und ich schlage mir im 4-Sekunden-Takt den Steiß an die Sitzkante. Aua. Nach etwa 40 Minuten haben wir die Hälfte der Strecke hinter uns und Miris Blick spricht Bände. Auf dem Rückweg werde ich wohl einen Privat-Helikopter chartern müssen. Wir haben aber auch etwas Pech mit dem Timing. Starker Wellengang und der frontale Wind verlängern die Überfahrt gefühlt auf die doppelte Länge. Wir sind schon fast an unserer neuen Heimatinsel angekommen, vielleicht noch 300 Meter fehlen, da passiert, was uns immer passiert! Der Motor geht kaputt. Gut, dass es erst hier passiert, in etwas ruhigerem Wellengang. Die beiden Jungkapitäne fummeln im Inneren des Motors herum, während das kleine Longboat mit seiner extremen Seiteninstabilität zum Spielball der Wellen wird. Hier in Küstennähe ist es glücklicherweise erträglich. Nach einigen Minuten startet der Motor wieder und wir erreichen unser neues Homestay nach etwa 2 Stunden feucht unfröhlicher Überfahrt. Maila hat es glaub nichts ausgemacht.

Da sind wir nun, im Fam Homestay auf Pam. Klingt wie so ein schlechter Wortwitz aus den 80ern … Schuld ist laut den Locals Google. Die führen die Pam Islands fälschlicherweise als Fam Islands. Ob’s stimmt, weiß ich nicht. Aber hier sagen tatscählich alle Pam. Das größte Häuschen ganz vorn am Meer ist unser neues Zuhause. Wir haben ein eigenes Bad mit Toilette und Dusche. Beides auf Raja Ampat Niveau. Also keine Spülung, kaltes Wasser und einen Wasserdruck jenseits der Wahrnehnungsgrenze. Sonst macht es auf den ersten Blick eigentlich einen ganz ordentlichen Eindruck. Klar, viel mehr kann man hier nicht erwarten. Ein äußerst ereignisreicher Tag geht zu Ende – da war für jeden etwas dabei! Und meine Krabbenfischer-Idee ist nach der Überfahrt jetzt auch erstmal gestillt.

Wow!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

One comment

  1. Hatte auch eine schöne Tag.
    Es herbstellt.
    Habe die Sonne ☀️ bis zum Schluss ausgenutzt.
    Bin danach zum WLAN und lesen nach Vorne gerast… 😉 Crew