Gammeltag!

Gammeltag! Hätte uns Miri nicht geweckt, hätten Maila und ich vermutlich noch bis zur Mittagszeit weiter geschlafen.
Deshalb haben wir die Mama mal vorgeschickt, um uns noch Frühstück zu bestellen, bevor es keins mehr gibt.
Und mein Mailchen habe ich kaum wach bekommen heute Morgen.
Daher gammeln wir jetzt schon seit Stunden auf den Sofas herum, haben ein paar Runden UNO gespielt und genießen den hübschen Ausblick von hier aus. Die Zeit geht ganz entspannt vorbei. Mittlerweile kam eine deutsche Familie, die in China arbeitet und lebt, in unserer Lodge an. Maila hat sich direkt die sechzehnjährige Tochter gekrallt und mit ihr noch mal weitere Runden UNO gespielt.
Jetzt ist es 15:00 Uhr nachmittags und ich hab es mal geschafft, mir die Zähne zu putzen. Also ein so richtig fetter Gammeltag. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal so einfach gar nix zu tun hatte. Wie wunderschön ist das bitte?
Als Maila auf dem Hinflug irgendwann mal meinte, dass ihr langweilig sei, hab ich ihr gesagt, dass Langeweile etwas Schönes ist. Das Privileg der Kinder. Und wie schade, dass Kinder das noch nicht wissen und verstehen können. Und wie schade, dass man als Erwachsener die Zeit nicht mehr zurückdrehen kann, um diese Momente in vollen Zügen zu genießen. Einfach Langeweile haben.
Aber es ist wohl wie alles im Leben. Hat man es im Überfluss ist es nervig, hat man es gar nicht mehr, vermisst man es und lernt es zu schätzen.
Andererseits ist Langeweile eigentlich auch traurig. Weil es bedeutet, dass man in dem Moment nichts besseres zu tun hat. So gesehen habe ich ständig irgendwas besseres zu tun. Meistens zehn bessere Sachen gleichzeitig. Und ich bin sehr dankbar dafür, dass mir die meisten Dinge sogar Spaß machen, die ich gleichzeitig besseres zu tun hätte. Mal schauen, wann ich auf dieser Reise das erste Mal Langeweile habe. So ganz ist sie noch nicht bei mir angekommen. Heute Morgen habe ich nämlich die übrige Zeit genutzt, um noch kurz ein Gepäck-Upgrade für unseren Flug nach Sydney zu buchen.

Als wir uns vorgestern mit dem Roller Richtung Nacpan Beach verfahren haben, sind uns ein paar super schöne Ecken aufgefallen. Daher überlegen wir uns gerade, ob wir noch an den nördlichen Zipfel der Insel übersiedeln und dort vielleicht ein paar Nächte bleiben. Die menschenleeren Strände und die kleinen verschlafenen Fischerdörfchen haben uns eigentlich sehr gut gefallen. Nach einer kurzen Recherche haben wir zwar wenige, aber dafür umso schönere Unterkünfte entdeckt.
Vanilla Beach


Und so verging der Nachmittag. Und fast hätte es geklappt, dass wir uns alle mit nichts tun beschäftigt hätten. Dann habe ich aber gegen 17:00 Uhr doch noch einen Scooter geholt und wir sind zum Vanilla Beach gefahren. Was ein Reinfall – sage ich. Fancy Bars und luxuriöse Insta-worthy Boutique-Hotels aneinander gereiht vor einer tollen Kulisse. Aber das Wasser an diesem Strandabschnitt war das dreckigste, das wir bislang mit weitem Abstand gesehen haben! Bisher war es sogar überall super sauber! Auch an Land, was uns ein bißchen überrascht hatte.
Fancy Dreckbrühe
Maila wollte unbedingt ins Wasser und ich war nicht so begeistert von einem Bad in der Dreckbrühe. Miri ist dann mit ihr am Strand entlang gewadet, bis die beiden ein etwas saubereres Fleckchen gefunden haben, um darin zu plantschen. Ich kann es nicht so recht begreifen, wie man für hundertausende, eher Millionen von Euro ein Boutique-Hotel an das nächste klatschen kann und dann keine Idee hat, wie man das Wichtigste an der ganzen Sache sauber hält. Das ist entweder dumm, saudumm oder die Gäste sind saudumm! Oder beides. Denn am Strand standen zig Tripods, auf denen die Smartphones für den Sonnenuntergang-Timelaps aufgespießt waren. Dahinter die fancy Bars, an jeder 2.Bar ein hipper DJ mit Spotify-Playlist. Davor die Dreckbrühe, in der Dosen, Plastiktüten und anderer Dreck rumdümpelt. Aber auf der Sonnenuntergangs-Timelaps sieht man das ja nicht.
Super Fischrestaurant, Angel Wish
Am Vortag haben wir einen Insider-Tipp fürs Abendessen bekommen. Direkt am Strand in El Nido liegt ein von außen recht unscheinbares Fischrestaurant names Angel Wish. In Badeklamotten und Rollerhelm-Plattdatsch-Frisur (also ich, beides) sind wir auf dem Rückweg spontan dort vorbei. Das Essen war wirklich super lecker! Vor dem Restaurant lagen auf Eis die noch lebenden, oder frischen – ganz wie man es halten mag – Krebse, Hummer und sonstiges Meeresgetier.
Für Maila gab es Spaghetti mit Tomatensoße, recht süß, so wie die Philippinos das mögen. Miri hatte ein Fischfilet in Weißweinsoße und ich Mixed Seafood in einer eisernen Pfanne.



Live-Musik an der Strandbar

Auf dem Rückweg am Strand entlang, haben wir eine sympathische kleine Strandbar entdeckt. Dort gab es Live-Musik mit Gitarre und Cajon. Super Sound, mega gut abgemischt und aus den alten Kübeln kam wirklich einer der besten Live-Sounds, die ich an so einer Strandbar ever gehört habe! Als einizige Gäste haben wir dann sozusagen ein Privatkonzert bekommen. Leider hatten wir nur noch 200 Pesos dabei, was so ungefähr 3 Euro sind. Wir haben also das billigste getrunken, was wir bekommen konnten: 2 Jacky Cola! Das war ernsthaft günstiger als Wasser oder Kaffee…
Damit war dann aber auch das Schicksal der Musikanten besiegelt. Die hätten alleine schon wegen des geilsten Tip-Hutes den ich je gesehen habe definitv ein paar Groschen verdient. Daher müssen wir da morgen nochmal hin! Nicht das uns das angedrohte Schicksal heimsucht:

Marc (angehender Schriftsteller)
PS: Miri, morgen bist aber du dran!

